Bekleidungen und Packungen der Armee

22. Juli 2006

Die Schweizer Armee kennt viele verschiedene Tenus und Packungen. Von „Kampf komplett“ über „C-Vollschutz“ bis „Tenu légère“ ist alles möglich. Definiert sind sie über eine Buchstaben-Zahlen-Kombination. Einige der Bekleidungen sind mit Fotos auf der Webseite dokumentiert. In den verlinkten pdf-Reglementen werden alle Möglichkeiten erläutert.

Bei der Artillerie wird nur das Combinaison und ein Arbeitsbéret getragen. Das ist insbesondere bei den momentan doch heissen Temperaturen mühsam, da nur die Ärmel hochgekrempelt werden können und höchstens das T-Shirt darunter ausgezogen werden kann.

http://www.vbs-ddps.ch/…

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Woche 17: Verschiebung nach Bure

16. Juli 2006

Dank dem Besuchstag vom Samstag und dem WM-Final vom Sonntag mussten wir am Montag erst um 11.45 Uhr in Bière einrücken. Das bedeutet aber, dass ich um 7.30 Uhr von zu Hause losfahre. Anschliessend an das Mittagessen räumten wir unser Zimmer und deponierten die Packungen vor der Unterkunft. Mit Kampf komplett ging es weiter zur Panzerhalle, wo wir die Fahrzeuge für den Bahntransport bereit machten und die Überresten vom Besuchstag beseitigten. Als alle Raupenfahrzeuge auf die Bahn verladen waren, sollten wir eigentlich zum Bahnhof Bière laufen, doch unser Zugführer hat glücklicherweise einen Lastwagen der Log-Batterie organisieren können. Mit dem Schmalspurzug ging es nach Morges, wo wir zwei Couchette-Wagen beziehen konnten. Unser Kriegszug mit den angehängten Panzer fuhr ca. um 20.30 in Morges ab. Via Fribourg, Bern reisten wir nach Lyss, wo wir um ca. 23.00 Uhr ankamen. Als die Sonne unterging, mussten wir schlafen gehen, da unser Wagen kein Licht hatte.

Am Dienstagmorgen um 4 Uhr setzte der Zug seine Fahrt quietschend fort. Im Bahnhof Bure kamen wir um 7 Uhr an, worauf wir das Morgenessen einnahmen. Nachher mussten die Fahrer die Fahrzeuge abladen. Ich konnte bereits die Unterkunft beziehen und die total unnötige Zimmerordnung erstellen. Unnötig weil wir am Nachmittag das gesamte Gepäck für die bevorstehende Übung wieder mitnehmen mussten. Vom Standard her ist die Unterkunft etwas enger als in Bière, dafür hat man mehr Kästen. Am Nachmittag startete dann die erste Verschiebungsübung. Das heisst wir sind bis am Abend mit unseren Fahrzeugen Runde um Runde um den riesigen Waffenplatz gefahren. Dass die Haubitzen schon bei kleinen Steigungen Mühe haben, war mir bekannt, aber als die ersten nach wenigen Runden schon überhitzt waren, erstaunte mich doch. Wie wollen wir so den Krieg gewinnen? Anschliessend an diese Übung und das Nachtessen bauten wir unsere Zelte im Wald auf. Das ist eine Wissenschaft für sich. Bis der Standort definiert ist und alle ihren Senf dazu abgegeben haben, kann gut eine Stunde vergehen!

Dieselbe Verschiebungsübung stand auch am Mittwoch wieder auf dem Programm. Ich musste allerdings schiessen gehen. Am Nachmittag bereiteten wir uns auf die Inspektion vom Donnerstag vor. Wir bauten unseren Gefechtsstand auf uns spielten einige Feuerbefehle durch. Weil die Haubitzen und ihre Besatzungen einige Probleme hatten, wurden die Abläufe bis nach Sonnenuntergang geübt. Danach mussten die Fahrzeuge noch betankt werden. Dies ist auch eine sehr interessante Sache: Der Nachschubzug fährt mit leeren Kanistern zur Tankstelle, füllt diese und die Fahrzeuge werden anschliessend aus diesen betankt. Ein Panzer benötigt schnell 180 Liter, wofür neun Kanister geleert werden müssen. Nach einer kurzen PD/ID-Phase verkrochen wir uns in die Zelte. Wie auch die Nacht zuvor musste ich keine Wache schieben.

Für die Inspektion vom Donnerstag mussten um 7.00 Uhr alle Fahrzeuge aufkolonniert sein. Nach einigen Kontrollen wurde bekannt, dass die Inspektoren erst später eintreffen werden. Also begann die Übung und wir betrieben unseren Gefechtsstand bis um 15.00 Uhr. Die Inspektoren kamen nur kurz vorbei und schienen mit unserer Arbeit zufrieden zu sein. Genauso tönte es auch bei der anschliessenden Besprechung. Der Oberst war mit uns sehr zufrieden und gab uns für den tollen Einsatz ein gut – sehr gut. Nachdem wir unser „Zeltlager“ abgebaut hatten, wollten wir die Panzer abspritzen, doch Schläuche gab es keine und wir mussten in die Unterkunft zurückkehren. Da gönnten wir uns das erste Mal seit Sonntag eine Dusche! Mit einem Postauto ging es dann nach Porrentruy in den Ausgang.

Weil wir bei der Inspektion so gut gearbeitet hatten und weil die Gummipolster der Haubitzen ausgewechselt werden mussten, wurde die Übung vom Freitag abgesagt. Den ganzen Tag verbrachten wir mit dem Putzen der Fahrzeuge und mit Materialkontrollen. Dabei mussten wir immer schön aufpassen, dass wir nicht zu schnell fertig wurden. Am Abend musste wiederum eine Zimmerordnung erstellt werden, natürlich eine andere als am Montag. Als der Hautfeldweibel mit allem zufrieden war, erhielten wir „Zeit zur Verfügung Soldat“.

Woche 16: Artillerieschiessen

9. Juli 2006

In die Woche starteten wir mit einem Morgenlauf und anschliessendem Fussball spielen. Genau so gemütlich ging es auch weiter: Den Rest des Morgens hatten wir Zeit zur Verfügung des Soldaten. Schlafen, Zeitung lesen, Karten spielen, … Am Nachmittag luden wir unsere Sturmgewehre und machten die KD-Boxen und die Klappscheiben unsicher. Meine Scheibe war jedoch nach dem zweiten Schuss erledigt und stand nicht wieder auf. Die Mechanik dieser Zielscheiben war allgemein in einem schlechten Zustand, die meisten funktionierten nicht. Nach dem Nachtessen hatten wir eine kurze Theorie Funk im Schüpa und stellten noch eine Fernantenne auf.

Noch gemütlicher als der Montag wurde für mich der Dienstag. Ich war beim Pikettdienst eingeteilt. Das heisst beim Eingang der Unterkunft sitzen und die Zimmerschlüssel bewachen sowie die Zutrittskontrolle durchführen. Vier Ada’s sind jeweils für 24 Stunden eingeteilt. Die Kameraden der Batterie hatten weniger Glück und mussten am Nachmittag bei glühender Hitze einen 20 km Marsch absolvieren.

Der Mittwochmorgen war ebenfalls nicht sehr spannend. ABC-Theorie, Funkübungen und MG riegeln. Am Nachmittag bezog ich zum ersten Mal meinen Platz im SAPH-Gebäude. Dies ist ein Simulator mit sechs Haubitzen und einer Feuerleitstelle. Eine eindrückliche Anlage. Nach zwei Schiess-Serien mussten wir die Übung aber abbrechen, da die Anlage wiedermal nicht richtig funktionierte. Nach dem Schuhe putzen wurden wir in den Fak-Ausgang entlassen.

Das erste scharfe Artillerieschiessen unserer Militärkarriere war am Donnerstag angesagt. Nach 16 Wochen wurde es auch langsam Zeit! Nach dem Morgenessen wurden die Haubitzen und alle anderen Fahrzeuge vorbereitet. Die ganze Batterie kleidete sich in BG 1 und bezog die Lauerstellung. Dabei übersah unser Rückraumbeobachter einen Baum und der Fahrer parkierte den Schüpa promt daran. Der Schaden war aber nicht schlimm und wir setzten die Übung bei strömendem Regen fort. Die Soldaten sorgten für die Nachsicherung. Wie schon letzte Woche kam das Essen natürlich gerade dann, als wir verschieben mussten. Als der Gefechtsstand aufgebaut war, ging es mit der Übung los. Der erste Feuerbefehl kam und die Feuerleitstelle befahl die Geschütze in Stellung. Dann war aber schon Ende Feuer. Die Securo-Menschen, welche die Schussrichtung der Haubitzen überprüfen, konnten mit dem Sitometer nicht umgehen. Anschliessend war von 14.00 bis 15.30 Uhr wegen einer Beerdigung in Bière das Schiessen verboten. Pünktlich um 15.30 Uhr konnte mein Vermesser-Kollege den Feuer-Knopf auslösen und die Granaten segelten durch die Lüfte. Anschliessend an mehrere Serien haben wir die Fahrzeuge gewaschen und zurückverschoben.

Am Freitag wurde der Besuchstag vom Samstag vorbereitet. Ich wurde auf der Feuerleitstelle eingeteilt. Am Morgen wurden wir über den Ablauf des Artillerieschiessens informiert und machten einige „trockene“ Durchgänge. Am Nachmittag dasselbe nochmals nur scharf. Nun konnte auch ich zum ersten Mal Feuer auslösen. Am Abend übten wir noch einige Specials für die Zugschule. Ausserdem mussten wir für Bure packen, wo wir die nächste Woche verbringen werden. Das gesamte Material müssen wir mitnehmen, unsere Boxen müssen leer sein. Aus meiner Sicht total unnötig!

Der Besuchstag (Samstag) begann für mich um 05.15 Uhr. Obwohl wir den ganzen Tag im Dienst der Armee stehen, bekam wir nur ein Gipfeli und einen Viertelliter Schoggidrink! Was schon für einen gewöhnlichen Samstag an der unteren Grenze ist, finde ich für einen normalen Arbeitstag völlig daneben. Aber eben, das Essen ist nicht mehr so gut und abwechslungsreich wie in Oberstammheim. Um 06.50 Uhr mussten wir bereitstehen, unseren Panzer auf das Showgelände parken und vorbereiten. Der ganze Ablauf wurde nun nochmals geübt. Um 10.15 Uhr hielt der Schulkommandant eine Ansprache und die Artillerieshow startete. Nach dem Schiessen wurde die Batterie kurz vorgestellt und anschliessend an das Mittagessen präsentierten wir die Zugsschule. Die dazugeholten Zivilisten waren erstaunlich gut im Takt. Einige Soldaten organisierten später eine Modeschau, wo sie die Tenus der Armee vorstellten. Um 15.40 Uhr wurden wir endlich ins Wochenende entlassen.

Demonstration Artillerie-Schiessen

2. Juli 2006

Am Samstag 8. Juli 2006 wird auf dem Waffenplatz Bière der Besuchstag unserer RS durchgeführt. Das Highlight ist sicherlich das Schiessen mit den Haubitzen. Weiter wird es im Rahmen der Batterien verschiedene Präsentationen von Fahrzeugen, Material und Funktionen geben. Wer Interesse hat, kommt am nächsten Samstag nach Bière. Der Startschuss ist um 10.00 Uhr.

Woche 15: Gefechtsstände beziehen

2. Juli 2006

Schon am Montagmorgen mussten wir uns mit AGA-Themen herumschlagen. Am Nachmittag übten wird das Beziehen von Gefechtsständen. Im Ausgang mussten wir dann mitansehen, dass die Schweiz knapp gegen die Ukraine ausgeschieden ist.

Am Dienstag war ich den ganzen Tag auf der Wache eingeteilt. Von 6 Uhr bis am nächsten Morgen um 6 Uhr waren wir für die Überwachung des Waffenplatzes verantwortlich. Das heisst, einer sitzt immer im Wachtlokal und wartet auf Telefonanrufe oder Funksprüche. Zwei sind mit dem Velo oder zu Fuss am patroullieren. Weitere drei Soldaten haben jeweils Pause und beschäftigen sich mit Schlafen und Fernseheschauen. Jeder Posten wird jeweils eine Stunde ausgeübt, wodurch drei Stunden Arbeit und drei Stunden Pause entstehen. Der ganze Tag war sehr langweilig, da man nicht ständig schlafen kann.

Die Feuerleitstellen- und Kommandogruppe übte den ganzen Mittwoch das Beziehen von Gefechtsständen, was ziemlich anstrengend war. Dabei konnten wir mit unserem Schützenpanzer zum ersten Mal die Panzerpiste richtig testen. Man wird recht stark durchgeschüttelt und der Helm macht wirklich Sinn. Danach durften wir die Fahrzeuge nach abspritzen. Nach dem Nachtessen mussten wir noch zum Fitcheck antreten.

Am Donnerstag stellten wir unseren Schüpa nur knapp vor die Halle und betrieben wiedermal eine Feuerleitstelle ohne wirklich zu schiessen. Am Mittwoch und Donnerstag wurden wir die ganze Zeit von einem Stabsadjutant beobachtet. Am Abend gingen wir in einen Wald und bauten unsere Zelte für die Nachtübung auf. Wobei eine solche lockere Übung hatte ich noch nie. Wir konnten die ganze Nacht durchschlafen und mussten weder patroullieren noch einen Beobachtungsposten betreiben. Also fast ein Pfadilager.

Eine Batterie-Verschiebungsübung war am Freitag geplant. Wie sattelten unsere Schüpas und bezogen eine Stellung und bauten den Gefechtsstand auf. Dann hiess es warten: Funk-, MG- und Nachwache. Der Morgen war ruhig. Aber als es um 12 Uhr Essen gab, mussten wir natürlich schon um 12.30 Uhr parat sein zum Verschieben. Das nervt. Wir waren dann schliesslich bereit und mussten doch noch über eine Stunde warten bis wir eine Runde um den Waffenplatz drehen konnten, um dieselbe Stellung wieder zu beziehen. Aus meiner Sicht war die Übung nicht so gut organisiert. Oft wusste niemand, was genau läuft.

Woche 14: Fahrzeugfassung

24. Juni 2006

Am Dienstag dieser Woche sind wir in der Kaserne Bière zur Verbandsausbildung VBA eingerückt. Nach dem Einrücken und dem Bilden der Batterien haben wir unsere Zimmer bezogen und Material gefasst. Nach verschiedenen Theorien und dem Nachtessen, zeigte uns der Hauptfeldweibel bei der Zimmerinspektion, dass er von seinem Job sehr überzeugt ist. In den Bettdecken waren falten, die Gamellen waren nicht nach seinem Wunsch ausgerichtet, …

Die Fassung der Fahrzeuge fand am Mittwoch statt. Am Morgen wurde das gesamte Inventar kontrolliert, am Nachmittag wurde die Gefechtsbereitschaft erstellt. Das ganze ging sehr schleppend vor sich. Die Vermesser waren fast den ganzen Nachmittag arbeitslos, da nur die Fahrer gesucht waren.

Am Donnerstag durften dann auch die Vermesser Feuerleitstelle richtig arbeiten. Zusammen mit den Feldweibeln übten wir die Leitung des Feuers mit FARGO und INTAFF im Theoriezimmer. Am Abend konnten wir den ersten Ausgang geniessen, wobei in Bière nicht viel los ist.

Am Freitagmorgen wurden wir um 05.00 Uhr geweckt: Übung Skorpion tre! Das heisst in 75 Minuten eine Gefechtsstellung beziehen. Die Batterie 1 war die einzige, die komplett erfüllt hat. Deshalb dürfen wir beim nächsten Alarm weiterschlafen. Das Morgenessen nahmen wir auf dem Feld ein. Anschliessend übten wir Gefechtsverschiebungen und gaben auf einer Drillpiste alles. Am Nachmittag schossen wir in der KD-Box, erstellten BG4, übten C-Alarme und repetierten einige Sanitätsbereiche. Am Abend musste noch ein Wochenparkdienst an den Fahrzeugen durchgeführt werden. Dies zog sich wieder in die Länge, da sich die Vorgesetzten nicht einig waren, wie die Fahrzeuge nun in die Halle platziert werden sollten. So wurden die Fahrzeuge mehrmals umplatziert. Nach einem PD/ID-Sprint konnten wir ein geniales Spiel der Schweizer Fussball-Nati verfolgen.

Im Vergleich zum Leben während der RS in Oberstammheim / Frauenfeld gibt es einige Unterschiede. Zum Beispiel ist die Zimmerordnung viel strenger: Da wir nun „richtige“ Better haben, müssen wir auch jedes Mal tiptop betten. Am Antrittsverlesen müssen wir Dank dem Hptfw auch immer Reaktionsübungen machen. Ansonsten ist der Dienstbetrieb (bis jetzt) meistens nicht abnormal anstrengend und es gibt genügend Pausen. Mängel gibt es beim Essen: Die Organisation ist schlecht, die Menüwahl unglücklich und die Menge zu gering. Da bin ich mir anderes gewöhnt. Wenigstens ist unser Zugführer (Leutnant) total in Ordnung.

Fazit Funktionsgrundausbildung FGA

19. Juni 2006

In den Wochen 6 bis 13 wurden wir individuell für unsere Funktion ausgebildet. Unsere Gruppe der Feuerleitstellenvermesser (Verm Flst) bestand aus vier Personen. Wir hatten es immer gut und lustig zusammen. Die Ausbildung durch den Feldweibel und die Nachwuchs-Wachtmeister war abwechslungsreich und interessant. Einzig die eingeschobenen AGA-Tage (Grundausbildung) waren lästig. Man muss auch sagen, dass die FGA-Phase trotz den verschiedenen Übungen einiges lockerer war als der erste Teil. Unsere Ausbildung absolvierten wir vorwiegend im Theoriezimmer. Einige Male machten wir praktische Vermessungsübungen auf dem Feld und wendeten das gelernte bei den Übungen im Panzer praktisch an. Schade finde ich, dass mit unseren Angaben noch nie scharf geschossen wurde.

Unterkunft
Nach einer Angewöhnungsphase hat mir die Unterkunft und das "Landleben" in Oberstammheim gefallen. Obwohl die ganze Kompanie (ausgenommen die Fahrer) im gleichen Zimmer geschlafen hatten, war es trotzdem ruhig. Dies liegt auch daran, dass wir im zweiten Teil nur noch 28 Rekruten waren. Geschlafen hatten wir im Schlafsack oder Flauschi, Betten wie in der Kaserne Auenfeld kannten wir nicht. Einige Duschen mehr wären nicht schlecht und auch einen Fussballkasten könnte gebraucht werden. Ein anderer Nachteil sind die täglichen Verschiebungen nach Frauenfeld. Die Fahrten im Lastwagen waren nicht besonders interessant, später mit dem DURO war es bequemer. Das grösste Problem sind aber die Mittagspausen. Die Rekruten im Auenfeld konnten sich über den Mittag in ihre Zimmer zurückziehen und schlafen. Wir mussten im Verpflegungsgebäude Siesta machen und hatten zudem ständig eine Materialwache war dem Haus zu betreiben.

Kader
Ich denke wir hatten es mit den meisten Vorgesetzten gut. Wenn man die Anweisungen ohne grossen Widerstand ausführt, gibt es meistens keine Probleme. Die Einstellung der Rekruten und der Gruppe ist sehr wichtig. Wenn der Oberleutnant das Gefühl hat, wir müssen zwoundzwanzig (Liegestützen) machen, dann machen wir diese halt mit "Freude". Auch die neuen Wachtmeister aus der Kaderschule haben schnell gemerkt, dass es sich nicht lohnt, die Rekruten zum Zeigen der geputzten Schuhe anmelden zu lassen. Zum Feldweibel, Hauptausbilder der Feuerleitstellenvermesser, hatten wir ein gutes Verhältnis. Auch wenn er einen Rekruten "Pflock" nennt, geht die Welt nicht unter und man muss nicht sofort eine Beschwerde schreiben.

Woche 13: Übung 48 Ora

17. Juni 2006

Am Sonntag mussten wir bereits um 21.30 Uhr einrücken, damit die Übung 48 Ora am Montag früh starten konnte. Um 03.30 wurden wir durch die Nationalhymne geweckt, um 4 Uhr gab es einen Gamellendeckel voll Teigwaren und anschliessend reisten wir nach Frauenfeld. Um ca. 05.30 Uhr starten wir zum 25 km Marsch, der auch Bestandteil der Übung war. Das Ziel erreichten wir nach 5 Stunden und 30 Minuten mit allen gestarteten, wobei wir nur zwei kurze Pausen zum Nachfüllen der Feldflasche machten. Allerdings hatten die Verpflegungsposten für diese Hitze zu wenig Wasser bereitgestellt. Unsere Kompanie hielt sich an den Befehl des Schulkommandaten und schleppte den ganzen Schutzanzug und den Regenschutz im Rucksack mit, andere Kompanien trugen nur den Regenschutz mit und hatten trotzdem eine hohe Ausfallquote. Die Füsse brannten nach dem Marsch und die Schultern schmerzten, doch "Krieg ist gefährlich" und die Übung ging weiter. Nach einem kurzen Mittagessen fassten wir zwei Schützenpanzer und stellten sie in einer Deckung auf. Den Rest des Nachmittag und die Nacht verbrachten wir abwechslungsweise mit Funk-/Intaffwache und schlafen im Biwak.

Am Dienstagmorgen musste dann plötzlich alles schnell gehen. Tarnung und Aggregate aufladen und ab auf den Gefechtsplatz düsen. Nun stellten wir unsere beiden Panzer wieder auf und machten sie betriebsbereit. Nach dem wir am Morgen einige Serien virtuell geschossen hatten, fuhren wir für das Mittagessen wieder in die Deckungsstellung. Am Nachmittag leiteten wir das Feuer nochmals. Anschliessend trafen wir uns mit dem Schulkommandaten für eine kurze Übungsbesprechung, nahmen das Nachtessen ein und schauten das Spiel Frankreich – Schweiz in einer Panzerhalle. Später demontierten wir noch Antennen und MG vom Panzer und gönnten uns eine verdiente Dusche.

Den Mittwoch und Donnerstag verbrachten wir mit dem retablieren unseres Schützenpanzers. Nachdem alles ausgeräumt, kontrolliert, geputzt und wieder eingeräumt war, verluden wir den Panzer auf einen Bahnwagen. Dies tönt nun ziemlich speditiv. Doch die Armee und vor allem die Zeughausangestellten können solche Arbeiten in aller Seelenruhe abwickeln. So brauchten wir tatsächlich eineinhalb Tage bis der Panzer verladen war. Wieso wir bereits um 05.30 Uhr aufstehen mussten um anschliessend vor der verschlossen Halle eine halbe Stunde lang jassen zu müssen, steht auch in den Sternen. Jedenfalls eines habe ich während diesen zwei Tagen gelernt: Das Jassen. Die Ruhephase vom Donnerstagnachmittag, unter einem schattigen Baum, wurde leider von einer Stunde Wache unterbrochen.

Am Mittwochabend war der Kompanieabend angesagt. Das heisst im Esssaal sitzen, WM schauen und Grillade essen. Für mich enttäuschend. Nichts so spezielles, wie man es von anderen Rekruten hört.

Am Freitag putzten wir unsere Unterkunft in Oberstammheim, verluden das Gepäck für Bière und konnten um 11 Uhr abtreten. Damit wäre die Rekrutenschule in Frauenfeld abgeschlossen, am Dienstag rücken wir in Bière als Soldaten zur VBA ein.

Woche 12: Inspektion / Übung Arcobaleno

11. Juni 2006

Dank Pfingsten mussten wir erst am Montagabend einrücken. Am Dienstag übten wie abermals Gefechtstechniken, verschiedene Schiessen und C-Alarme. Nach dem Abendessen wurden wir auf die Inspektion vom Mittwoch vorbereitet. Selbstverständlich musste wiederum alles neu kontrolliert, beschriftet und gerichtet werden. Bei der letzten Inspektion durften wir aus Datenschutzgründen mehrere Gegenstände nicht mit der AHV-Nummer beschriften, diesmal schien das nicht mehr aktuell und die Nummer wurde überall darauf geknallt.

Die Vorbereitungen wurden am Mittwoch fortgesetzt. Um ca. 10 Uhr begann dann die Inspektion, welche eigentlich vom Schulkommandant durchgeführt werden sollte, doch dieser schickte einen Stellvertreter. Reaktionsübungen, Zugschule, verschiedene Kontrollen, Kompanielied, Unterkunft, Küche und Wagenpark wurden inspiziert. Die Kontrolleure konnten nicht wirklich etwas bemängeln. Damit sie dennoch kritisieren konnten, beanstandeten sie beim Kadi-Puch das Reifenprofil und ein weiterer Kader-Puch war nicht aufgeräumt. So erhielten wir schlussendlich ein sehr gut plus. Mit dem Resultat waren wir dann auch zufrieden. Nur das ewige im "Achtung stehen" und nicht bewegen ist äusserst anstrengend und ungesund!

Am Nachmittag bereiteten wir uns für die Übung Arcobaleno vor. Nach dem wir auch die SIM-Ausrüstung montiert hatten, gingen wir ganz unnötigerweise in den Wald von Oberstammheim um Gefechtsformationen zu üben. Anschliessend begann der infanteristische Teil der Übung: Wir wurden in einem Waldstück ausgesetzt und sollten ein von Markeueren bewachtes Fähnchen erobern. Es gab aber weder ein Fähnchen noch Markeure. Also gingen wir weiter zu unserem Biwakplatz. Auf diesem Weg wurden wir kurz angegriffen. Beim Biwakplatz stellten wir die Zelte auf, assen etwas kleines und organisierten die Nachtwache. Immernoch ausgerüstet mit SIM, erwarteten wir jeden Moment einen Angriff. Die ganze Nacht war aber ruhig. Gegen fünf Uhr am Morgen machten sich dann einige Angreifer bemerkbar, ich war jedoch am schlafen.

Mittlerweile ist Donnerstag und wir gegen die SIM-Gstältli wieder ab. Von den 60 Schuss Markiermunition habe ich keinen einzigen verschossen, was den Vorteil hat, dass ich die Flinte nicht vollständig putzen muss. Nun startet der Artillerie-Teil der Übung. Wir sattelten den SchüPa und kollonierten auf dem Kasernenareal auf. Alle Systeme auf den Fahrzeugen wurden gestartet und anschliessend inspiziert. Endlich ging es los. Wir fuhren zu einem Bauernhof ganz in der Nähe, parkierten den Panzer in einem Unterstand, stellten Fernantennen auf und tarnten ihn. Danach ging auch schon das simulierte Artilleriefeuer los. Da wir nur vier Feuerleitstellenvermesser sind und jeweils zwei für den Betrieb gebraucht werden, wurde diese Übung ziemlich anstrengend. Die ganze Nacht wurde durchgeschossen, dazwischen hatten wir natürlich auch noch Patrouille. Eine Stunde Schlaf musste also reichen. Bei uns waren ebenfalls die Betriebssoldaten und die Bürohocker eingeteilt. Die Schoggi-Bürosoldaten waren natürlich die ärmsten, sie hatten acht Stunden Wache und konnten nur vier Stunden schlafen! Da sage ich nur: "Gsänd Sie die Träne?!"

Es ist Freitag und wir sind immernoch am Schiessen. Das lang ersehnte Mittagessen trifft ein. Aber fast gleichzeitig kommt der Befehl: Sofort zusammenpacken und zur AMP-Halle fahren. Also wurde wieder nichts aus einem gemütlichen Essen. Nach der Übungsbesprechung am Nachmittag putzten wir die Fahrzeuge wieder auf Hochglanz. Danach wurden sie wiederum inspiziert. Endlich konnten wir in die Kaserne und gönnten uns eine Dusche. Am Abend konnten wir die ausgefallenen Ausgänge bei einem Grillplausch teilweise kompensieren.

Die Übung Arcobaleno war eigentlich sehr interessant, aber auch anstrengend, da wir nicht schlafen konnten. Während der ganzen Woche war die Organisation etwas chaotisch, so auch bei der Übung. Etwas mehr und vor allem frühere Informationen wären jeweils nicht schlecht. Unsere zukünftigen Feldweibel waren zu Beginn auch überfordert, aber auch diese werden in Bière von den Erfahrungen profitieren.

Nachtwache

5. Juni 2006

Eine aus meiner Sicht sehr fragwürdige Einrichtung ist die Nachtwache. Zu Beginn der FGA-Phase hatten wir während drei Wochen durch den Tag keine Zutrittskontrolle. Also wieso muss der Eingang in der Nacht bewacht werden? Die Türe könnte problemlos abgeschlossen werden. Auch das Material in den Zimmern ist in der Nacht durch unsere Anwesenheit besser bewacht. Das ganze Theater ist also nur für unsere psychische Stärkung gedacht.