RS-Rückblick

Nun ist es schon über einen Monat her, als ich meine Rekrutenschule beendete und wieder ins zivile Leben einstieg. Trotzdem möchte ich noch einen letzten Rückblick der 21 Wochen bei der Schweizer Armee machen.

Ausbildung & Dienstbetrieb
Am 21. März dieses Frühlings war ich in Frauenfeld ohne grosse Erwartungen in die Art RS 30-1 eingerückt. Mein Ziel war es die RS möglichst angenehm zu überstehen. Eingeteilt war ich als Vermesser mit den Wettersoldaten und den Schiesskommandantenfahrern in der Kompanie 2. Unsere Kompanie war nicht im Auenfeld oder in der Stadtkasere untergebracht, nein wir wohnten 15 km entfernt in Oberstammheim ZH im Werkhaus. Hier ist auch das erste Problem ersichtlich: Wir mussten jeden Tag mit dem Lastwagen, später mit den Duros, nach Frauenfeld TG und zurück verschieben. Diese Zeit wurde uns jeweils von der Pause abgezogen. Da konnte es auch passieren, dass mir um 22.30 Uhr zurückkamen und dann in einer halben Stunde die Schuhe sowie das Sturmgewehr putzen mussten und auch noch Duschen sollten. Das war extrem knapp und stressig. Doch die Vorgesetzten sagten immer, es sei eine gute Vorbereitung für Bière. Dies stimmt aber nicht. Da hatten wir ausreichend Zeit. Da der Tagesablauf in der Ostschweiz immer viel zu knapp bemessen war, gab es während den ersten sieben Wochen fast keine Möglichkeiten für Freizeit. Deshalb waren alle froh, wenn sie einen Tag (6-22 Uhr) lang Wache halten durften. Die Nachtwache war jedoch sehr unbeliebt. Der Komfort in Oberstammheim war ausserdem nicht besonders gut. Wir schliefen alle in einem Schlag für 60 Personen, wobei wir zu Beginn etwa 40 Nasen waren. Wir hatten nur einen improvisierten Kiosk und keine Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten wie Fussballkasten. Hingegen hat mir die Umgebung auf dem Land gut gefallen, jedenfalls war die Aussicht schöner als in der Betonfestung Auenfeld.

Es ist mir klar, dass die Vorgesetzten von Anfang an streng sein müssen, sonst läuft alles ausser Kontrolle. Zudem wollte unser Kadi den Pokal der besten Kompanie verteidigen (gelang leider nicht). Deshalb hat er, im Vergleich mit den anderen Kompanien in Frauenfeld, viel mehr Wert auf das korrekte Auftreten gelegt und uns strengere Auflagen gemacht. So durften wir zum Beispiel in der Pause nicht auf den Boden sitzen oder mussten auf den Märschen immer das ganze Gepäck mittragen (andere Kompanien hatten nur den Regenschutz dabei = Pyjama-Packung). Das ist unheimlich demotivierend.

Während der Phase der allgemeinen Grundausbildung AGA waren die stundenlangen Sturmgewehr- und MG-Sessions, das so genannte Riegeln, besonders mühsam: Laden, Entladen, Störungen, Patroullienstellung, Einsatzstellung, Kontaktstellung und so weiter. Dies wurde meist mehrmals wiederholt, was unheimlich spannend und motivierend war. Zum Glück gab es dazwischen auch Tage, an denen wir uns nur mit den Funkgeräten oder dem Sanitätsdienst befassten. Das Schiessen in den Kurzdistanz-Boxen (KD-Box: 3 bis 30 Meter) wurde mit der Zeit auch immer langweiliger. Das Treffen ist reine Glückssache. Ich hätte viel lieber über 300 Meter geschossen. Doch in einem Schiesstand waren wir während der ganzen RS-Zeit nur etwa fünf Mal. Das ganze Programm war sehr ermüdend, so schlief ich an den ersten Wochenenden fast durch.

In der zweiten Phase der Ausbildung zum Soldaten, der Funktionsgrundausbildung FGA, wurde es etwas lockerer. Dennoch hatten wir vor allem gegen Ende Übungen mit 24-Stundenbetrieb, welche an die Substanz gingen. Ich wurde mit vier Kameraden als Vermesser Feuerleitstelle eingeteilt. Unser Handwerk erlernten wir im Theoriezimmer und bei Feldversuchen. Im Schulzimmer musste ich jeweils kämpfen, damit ich nicht einschlief. Mit den Wachtmeistern (später Feldweibeln), welche direkt aus der Kaderschule zu uns stiessen, war ich im Allgemeinen zufrieden. Auch sie mussten sich an die neue Situation gewöhnen und gaben meist ihr Bestes.

Nach 13 Wochen in Frauenfeld wurden nun die verschiedenen Funktionen gemischt und in Batterien eingeteilt. Die Verbandsausbildung VBA absolvierten wir in Bière VD mit Verschiebung nach Bure JU. Ich war der Art Bttr 1 zugeteilt. Hier wurden primär nicht die Soldaten ausgebildet, sondern die Zugführer (direkt von der Offiziersschule gekommen) und Batteriekommandanten. Wir waren also nur Manipulationsmasse. Während diesen 8 Wochen gab es sehr stressige Phasen aber auch lockere Zeiten. Im Vergleich zum ersten Teil war die Zeit in Bière nicht so anstrengend und wir hatten viel mehr Freizeit. Einzig die Hitze, welche diesen Sommer herrschte, war unangenehm und das Wasser aus den Wassersäcken („Pneuwasser“) schmeckte scheusslich. Sehr beschwerlich war natürlich der Weg in die Westschweiz. Deshalb waren auch die Wochenenden kürzer. Der Stress, welcher uns noch in Frauenfeld angekündigt wurde, sah ich nirgends. Die Schuhe putzen wir oft im Schnellverfahren und zum Duschen hatten wir genügend Zeit.

Kameradschaft & Motivation
Als absolutes Highlight wird mir die Kameradschaft in Erinnerung bleiben. Sowohl in Oberstammheim wie auch in Bière hatten wir innerhalb des Zuges ein sehr gutes Verhältnis. Die Hilfsbereitschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl waren enorm. Jedoch war das Verhältnis zu den Vorgesetzten in Bière viel lockerer. Unser Zugführer spielte zum Beispiel mit uns Karten oder besuchte uns beim ABV. Er setzte sich für uns ein und wollte uns die Zeit möglichst angenehm gestalten.

Natürlich hat es trotzdem Tiefpunkte gegeben. Die Einstellung jedes Einzelnen ist aber sehr wichtig. Wenn zum Vornherein schon alles Scheisse ist, wird es schwierig und die Zeit extrem lang. Man muss etwas abschätzen können, wann es darauf ankommt und wann nicht. Gibt man dann sein Bestes und arbeitet zusammen, sind die Aufgaben schneller erledigt und die Vorgesetzten zufrieden. Genau so ist es mit den Liegestützen oder dem Morgenlauf. Wenn man es als sportliche Herausforderung ansieht und seinen Körper gratis trainieren kann, geht es viel einfacher von der Hand. Deswegen sollte man sich auch gegenseitig motivieren können.

Tipps
Noch einige Tipps für diejenigen, welche die RS noch vor sich haben: Je nach körperlicher Verfassung würde ich einige Märsche machen und sicher die Schuhe gut einlaufen. Ausserdem würde ich einen etwas schwereren Rucksack herumtragen, damit der Rücken gestärkt wird. Denn das Gepäck ist wirklich schwer. Sobald man dann eingerückt ist, sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen und eines nach dem anderen nehmen wie es ist.

Für detaillierte Informationen liest du bitte die Wochenberichten.

Advertisements

2 Antworten to “RS-Rückblick”

  1. Dominik Says:

    Hoi

    Nettes Blog, die Wochen-Berichte sind zwar kurz aber trotzdem spannend und die Tipps sind sicher hilfreich auch wenn ich nicht die Art RS absolvieren werde…

    Ich hoffe natürlich auf weitere Berichte aus dem WK 😉
    cu

  2. Loris Moser Says:

    Danke für die Berichte über deine RS. War echt nützlich genaueres darüber zu lesen bevor ich einrücken musste. 🙂

    LG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: