Archive for August 2006

Fazit Verbandsausbildung VBA

21. August 2006

Grundsätzlich waren die acht Wochen der VBA die interessanteste Zeit der RS. Während 13 Wochen wurden wir in Frauenfeld ausgebildet. Nun konnten wir das gelernte endlich richtig anwenden. Das Aufbauen der Gefechtsstände ist meistens mühsam, da es immer schnell gehen muss. Sobald die Anlage steht, wird es „gemütlich“. Als Artillerist muss einem das Herz höher schlagen, wenn die Granaten im Ziel einschlagen. Aber eigentlich macht es für die Feuerleitstelle keinen Unterschied, ob die Haubitzen nun scharf schiessen oder nicht. Keinesfalls darf man zu viel über die Kosten eines solchen Schiessens nachdenken.

Neben dem Artillerieschiessen machten wir aber auch vieles Unnötige. Personen- und Zutrittskontrollen sowie ABC-Repetitionen und KD-Box-Schiessen waren schlicht als Beschäftigungstherapie zu verstehen.

Unser Führer des Kommandozuges war ausgezeichnet, dadurch ging die Zeit in Bière schnell vorbei. Er war einer von uns. Spielte mit uns Karten oder besuchte das legendäre Zimmer 2018 beim ABV. Die Kameraden im Zug und vor allem das Team des Gefechtsstandes waren genial.

Weniger gut als in Oberstammheim war in Bière das Essen. Auch das „Pneuwasser“ (Wasser aus Gummisäcken) bei den mehrtägigen Übungen war hässlich. Ausserdem war jeweils die Reise durch die ganze Schweiz nicht lustig.

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Woche 21: Die letzten Tage …

14. August 2006

In die letzte Woche starteten wir am Montagmorgen mit einem 35 Kilometer Marsch. Etwa um 8.30 Uhr starteten wir bei der Kaserne in Bière. Anschliessend bewegten sich unsere Füsse über Apples, Villars Bozon, Montricher und Berolle zurück nach Bière, wobei zwischen Bozon und Montricher einen Hügel überwunden werden musste. Während 7 Stunden und 20 Minuten waren wir unterwegs. Tenü: GT ohne Schuma-Tasche, Kampfrucksack mit Regenschutz und Sturmgewehr. Ausgelegt war die Aktion als Schulmarsch. Das bedeutet, dass die Reihenfolge bei Start und Ziel gleich ist. Da der Kommandozug meistens schneller als die Anderen, mussten wir am Ende der Batterie 1 laufen. Dies war sehr mühsam, denn das Tempo war zeitweise extrem langsam. Ich habe den „Spaziergang“ im Vergleich mit einigen Kollegen gut überstanden. Die Beine schmerzten erst, als ich mich im Ziel nicht mehr bewegte. Fünf Minuten nachdem wir im Ziel angekommen waren, mussten wir auch schon die Schuhe putzen. Nach dem Nachtessen und einer Matkontrolle gaben wir das erste Material ab, ein gutes Gefühl.

Am Dienstag begann wir die Schützenpanzer auszuräumen, um das Material von den Zeughausmenschen kontrollieren zu lassen. Ab 10 Uhr mussten wir nochmals das 300 Meter Wettschiessen schiessen. Es lief mir nicht so gut, 63 Punkte. Die Organisation war chaotisch und deshalb die Zeit knapp. Auch erwähnen muss ich hier, dass wir seit den Art-Games in Woche 7 nicht mehr im 300 Meter Stand waren. Am Nachmittag wäre eine Waffeninspektion geplant gewesen. Als wir die Flinten geputzt hatten, informierte uns der Zugführer, dass kein Inspektor da sei (drei Ferien und einer hat es vergessen!) und wir die Gewehre wieder einfetten sollen. Zum Glück war ich nicht so schnell. Fünf Minuten später kreuzte doch noch ein Kontrolleur auf. Diejenigen, welche mit dem Einfetten begonnen hatten, konnten nochmals entfetten. Sauberes Gewehr zusammensetzen, in die Sporthalle wechseln, Gewehr zerlegen. Der Inspektor suchte sich vier Mechaniker aus der Batterie aus, instruktierte sie kurz und dann schauten diese unsere Gewehre an. Nur der Lauf wurde vom Verantwortlichen geprüft. Nach dem Einfetten war der Nachmittag auch gelaufen. Den Abend liessen wir mit dem Batterieabend im Esssaal ausklingen.

Eingeteilt beim Hauptfeldweibel stand am Mittwoch ein anstrengender Tag an. Am Morgen räumten wir das gesamte Material aus dem Magazin. Obwohl viel Material schon gebündelt war, mussten wir es nochmals aufschneiden und nach einem speziellen Reglement neu zusammenlegen und binden. Damit war unser Detachement der ganze Tag beschäftigt, denn immer wieder wurde Material abgegeben, unsere Batterie bestand aus über 100 Mann. Anschliessend wurde alles gezählt und einen Teil auf den Anhänger verladen. Es ist 22.30 Uhr und wir können uns vor dem ABV noch eine Dusche gönnen. Soviel wie an diesem Tag, haben wir während der RS nur selten gearbeitet. Dementsprechend tat mir auch der Rücken und das Handgelenk weh.

Um 5.30 Uhr war am Donnerstag bereits Tagwache. Wir schnappten den Lkw mit Anhänger und verschoben zum Zeughaus, wo wir die erste Ladung deponierten. Komplizierter wurde es beim Küchenmaterial: Etwa um 9.30 Uhr begannen wir mit dem Abladen, weil das Material aber erst um 13.00 Uhr entgegen genommen wird, müssen zwei Soldaten Wache stehen. Einer war ich. Von 10.00 bis 15.30 Uhr bewachten wir also das Küchenmaterial, denn um 13 Uhr war das Zeughaus noch nicht bereit. Zum Mittagessen erhielten wir von unseren Kameraden je zwei Sandwiches. Als wir nach 15.30 Uhr das Material endlich kontrollieren und abgeben konnten, sollten wir es noch in einer Lauge (mit Schutzanzug!) abwaschen. Zum Glück konnten wir uns gekonnt aus dem Staub machen. Nach dem Abendessen packten wir unsere sieben Sachen in den Rolli und hatten eine letzte Besprechung mit unserem Zugführer.

Der letzte Tag, unserer 21-wöchigen Rekrutenschule, bricht an. Nachdem unser Gepäck aus der Unterkunft geschafft war, hiess es warten. Das letzte Mal spielten wir Taroc (Bündner Spiel) und Arschlöcheln. Wie zu Beginn unserer RS, war es extrem kalt und windig. Nach 14.00 Uhr standen wir beim Hauptverlesen bereit zum Abtreten. 145 Diensttage auf dem Buckel. Endlich war es soweit, allgemeiner Jubel. Wir verabschiedeten uns mit Wehmut von einander und zogen Richtung Heimat davon.

Was ist ein Gefechtsstand?

14. August 2006

Im Gefechtsstand ist das Kommando mit dem Kadi und die Feuerleitstelle untergebracht. Von da aus wird das ganze Artilleriefeuer und der Nachschub organisiert. Das Aufstellen eines solchen Gefechtsstandes ist mühsam. Manchmal werden sogar zwei Standorte vorbereitet um bei Konterfeuer den Platz wechseln zu können. Zwei Schützenpanzer parkieren Arsch an Arsch. Dann geht es los: Für jeden Panzer muss ein Aggregat und mindestens eine Fernantenne aufgebaut werden. Natürlich muss die ganze Anlage geheim bleiben, deshalb werden die sehr praktischen Tarnnetze ausgebreitet, alle Kanten gebrochen und bei Dunkelheit die Lichtschleuse montiert. Ich muss zugeben, dass die Tarnung jeweils sehr effektvoll ist. Meisten haben wir unseren Gefechtsstand nur durch den Lärm der Aggregate wieder gefunden! Sobald die gesamte Anlage aufgebaut ist, beginnt in den Schüpas die Arbeit. Aber je nach Standort muss noch eine oder zwei Personen MG-Wache machen. Mindestens ein Soldat befindet sich jeweils auf Nachwache, meistens ein Fahrer.

Die Feuerleitstelle setzt sich theoretisch aus acht Personen zusammen: zwei Fahrer, zwei Vermesser, zwei Übermittler, ein Feldweibel und ein Wachtmeister. Wir waren aber meistens mit einer kleineren Besatzung unterwegs. Meine zwei Vermesser-Kollegen möchten in diesem Blog auch noch verewigt werden: Zum einen war dies Vermesser Cavegn aus den Bündner Alpen, ein guter Mann. Aus dem Zürcher Oberland stammt Vermesser Konrad, den man selten in der Feuerleitstelle sah.

Feuerleitstelle                Feuerleitstelle

Kriegsberichter – Gedanken und Überlegungen zur RS

13. August 2006

Unter dem Namen Kriegsberichter veröffentlicht ein zukünftiger Ada seine Gedanken zur Armee. Obwohl er erst im November einrücken muss, macht er sich schon drei Monate zuvor Gedanken, was er alles verpassen wird. Der Autor schreibt, dass er kein 0815-Blog, wie meines betreiben möchte. Er will seine Gedanken, Überlegungen und Erlebnisse stärker gewichten als die militärischen Abläufe. Dabei frage ich mich, ob der Titel glücklich gewählt wurde. Denn ich hoffe nicht, dass es in der Schweiz Krieg geben wird.

http://kriegsberichter.twoday.net/

Woche 20: Abteilungsübung

6. August 2006

Die zweitletzte Woche startete am Mittwoch um 13.30 Uhr mit dem Antrittsverlesen. Das Tenu Biwak musste bereits erstellt sein, das heisst Ersatzkleider und Schlafsack mussten mit. Die Standarte und den Abteilungskommandant hatten wir bereits am letzten Freitag erhalten. Nun begann also die Abteilungsübung, wo alle vier Batterien zusammen unterwegs sind. Als erstes machten wir die Fahrzeuge für eine längere Fahrt flott. Die Pronto-Phase dauerte sehr lange, bis alle INTAFF-Geräte angemeldet waren, gab es die erste Pause. Als alles bereit war, verschoben wir zum nächsten Warteraum, wo bereits der erste Soldat die „sehr beliebte“ MG-Wache übernehmen musste. Gegen Abend ging dann die Fahrt endlich los. Wir fuhren zu einem genialen Biwakplatz in einer Kiesgrube. Bevor wir die Zelte aufschlagen konnten, mussten wir einen geeigneten Platz vom Unterholz befreien.

Wie üblich musste der Kommandozug in der Nacht die KP- und INTAFF-Wache sicherstellen. Ich sass eine Stunde vor dem INTAFF-Computer und übermittelte einige Funksprüche an die Abteilung. Obwohl alle wussten, dass Markeure unterwegs sind, konnten wir leider nicht alle festnehmen. Einige Sachen wurden geklaut. Um 5.00 Uhr war am Donnerstag Tagwache und wir bauten unter mittlerweile strömendem Regen unser Biwak ab. Anschliessend bezogen wir unseren Gefechtsstand und machten uns für das Schiessen bereit. Ohne grössere Probleme verschoss unsere Batterie am Morgen und am Nachmittag je über 100 Granaten. Die Batterie drei ebensoviele. Dann passierte kurz vor Übungsende leider noch der schwere Unfall, wo eine Haubitze auf dem Dach landete. Zum Glück gab es keine Schwerverletzen, dennoch waren alle sehr betroffen. Die Übung wurde natürlich abgebrochen und wir bezogen unserer zweites Biwak.

Diese Nacht bewachte ich den Computer zwei Stunden. Wegen dem Unfall gab es keine Markeure und es blieb ruhig. Bereits um 4.00 Uhr mussten wir aufstehen um in die Batterielauerstellung zu verschieben und dort zu warten. Es regnet in Strömen. Gegen 10 Uhr wurde die erste Granate abgefeuert. Frage: Wieso so früh aufstehen? Antwort: Ist so, weil befohlen so! Wiederum feuerten wir ungefähr 80 Granaten in Richtung Zielhang, bevor Nebel aufzog und die Übung abgebrochen wurde. Anschliessend folgte ein kurzer WPD und die Standartenrückgabe, welche wieder aussergewöhnlich speditiv ablief. Wahrscheinlich hat auch der Major gemerkt, dass uns diese Zeremonien nichts sagen. Nach dem Nachtessen mussten wir unser persönliches Material putzen und kontrollieren. Bei der anschliessenden Zimmerinspektion war der Hauptfeldi zum Erstaunen aller schon beim ersten Durchgang zufrieden und wir durften endlich eine Dusche geniessen.