Woche 19: Durchhalteübung

Diese Woche startete mit dem Packen für die Durchhalteübung DHU. Als alles verstaut war, ging es auf den Appellplatz, wo das gesamte Material wieder ausgepackt und kontrolliert wurde. Sogar die Unterhosen wurden nachgezählt! Der nächste Treffpunkt war um 10 Uhr. Wir wussten immer noch nicht ob nun der Marsch stattfinden würde. Die erlösende Nachricht kam aber bald. Der Marsch wurde auf den Spätnachmittag verschoben. Also gingen wir vorerst in unseren Biwakraum und bauten unsere Zelte auf. Zum Mittagessen machten wir auf dem Notkocher einen Jonny und assen dazu Reis. Nach dem Mittagsschläfchen bereiteten wir uns um 16 Uhr für den Marsch vor. Etwas später marschierten wir auch schon ab. Die Sonne stand hoch und es war immer noch extrem heiss! Die angebilchen 25 km absolvierte der Kommandozug in 4 Stunden und 45 Minuten. Wir überholten wiedermal alle anderen Züge und sogar für die Küche mit dem Zwipf-Posten waren wir zu schnell. Beim letzten 25 km Marsch in Frauenfeld brauchten wir 45 Minuten länger, obwohl wir etwa mit dem gleichen Tempo unterwegs waren. Da zeigt sich, dass uns wahrscheinlich nicht immer die wirklichen Kilometer mitgeteilt werden.

Mit Ausnahme von einer Stunde KP-Wache konnte ich diese Nacht durchschlafen. An diesem Dienstag war trotz grosser Trockenheit das erste Artillerieschiessen vorgesehen. Am Morgen sattelten wir die Fahrzeuge und nach einer kurzen Inspektion durch den Einheits-BO bezogen wir die Batterielauerstellung BLS. Nach einem vorgezogenen Mittagessen verschoben wir zum ersten Gefechtsstand. Bald waren auch die Haubitzen bereit und die ersten Granaten flogen Richtung Zielhang. Nach 15 Schüssen war aber Ende Feuer, da dunkler Rauch vom Zielgebiet aufstieg. Wirklich gebrannt hat es nicht und wir hätten sicher noch 20 Granaten verschiessen können. Die Übungsleitung wollte aber nicht und so zogen wir uns in die BLS zurück. Die Übung wurde abgebrochen und wir führten den Tagesparkdienst TPD an den Fahrzeugen durch. Anschliessend an das Abendessen mussten wir den Heimweg (ca. 5 km) ins Biwak zu Fuss absolvieren.

Diese Nacht hatte ich von 23 bis 24 Uhr wieder KP-Wache. Gleich bevor meine zweite Schicht um 5 Uhr begann, wurde ein Porcospino ausgelöst. Das heisst möglichst schnell aus dem Schlafsack steigen und sich um das Dispositiv verteilen. Ich war schon fast bereit für die Wache und so konnte ich schön mitansehen, wie die Kameraden fluchend aus den Zelten kamen. Nach einem mikrigen Morgenessen (eine Packung Biscuit und einer Portion Konfitüre) starten wir auch wieder mit einem Marsch in den Mittwoch. Die über 5 km vom Biwakraum bis zum MunMag auf dem Waffenplatz bezwangen wir mit einem ansehlichen Tempo. Unser Zug überholte natürlich die anderen wieder, doch wir dürfen immer noch nicht als erste starten. Beim MunMag stiegen wir in den Lastwagen, um ca. 500 Meter zu fahren und anschliessend bis zur KD-Box im Tobel nochmals 200 m zu laufen. Da wir keine Granaten mehr schiessen durften, mussten wir uns mit einem Ersatzprogramm begnügen: Schiessen in BG4; Drillpiste; schiessen auf Holzbalken, Wasserbalone und Münzen; Knoten lernen; Theoriefragen beantworten. Kein spektakulärer Tag mit unnötigen Posten wie der Drillpiste! Am Abend ging es gleich kompliziert wie am Morgen mit Lastwagen und Füssen ins Biwak zurück

Die Wache wurde nach demselben Schema wie am Dienstag abgehalten. Endlich kam aber durch die Markeure etwas „Stimmung“ auf. Als dann gegen Mitternacht ein Jäger neben unserem Biwak einen Fuchs abschoss, wurde es richtig spannend. Da zu Beginn nicht klar war, dass es sich um einen Jäger handelt, wurde ein Porcospino-Alarm ausgelöst. Leider wurde der Wildhüter nicht verhaftet. Weil er aber direkt neben einem Beobachtungsposten geschossen hat, kam noch der Schulkommandant und die Kantonspolizei vorbei. Der Rest der Nacht verlief ruhig. Am Morgen, als ich Wache hatte, wurde die ganze Batterie mit einem Porcospino geweckt. Da sie in der Nacht wahrscheinlich mehr Knallpetarden starten wollten, mussten alle am Morgen weg. Gegen 30 Petarden flogen um unsere Ohren und alle waren sofort wach. Wie schon so oft wäre heute die Feuerleitstelle im SAPH gewesen, doch das System funktionierte wiedermal nicht. Also mussten die Geschütze einzeln schiessen und die Flst war überflüssig. Deshalb mussten wir mit dem Nachschubszug Fahrzeugkontrollen durchführen. Damit es uns nicht langweilig wurde, bauten die Zugführer noch einige Spiele ein. Das Arbeiten war aber sehr mühsam. Wenn ich die Motivation einiger Nachschubsoldaten hätte, würde es mich auch unendlich „anscheissen“. Anschliessend an das Abendessen bauten wir unser Pfadilager ab und kehrten in die Unterkunft zurück, wo wir eine verdiente Dusche genossen.

Am Freitagmorgen begab sich meine Gruppe nochmals zum Biwakplatz, um nach verlorenem Material zu suchen. Anschliessend machten wir einen kurzen WPD an den Fahrzeugen. Am Nachmittag wurden wir zur Übungsbesprechung gerufen. Die Übungsleitung war im Grossen und Ganzen mit unserer Leistung zufrieden. Danach starteten wir eine kurze Sequenz Zugsschule. Später putzten wir unser persönliches Material, wobei es auch kontrolliert wurde. Gleichzeitig erstellten wir auch die Packungen für die Übung nach dem 1. August. Vor dem Nachtessen war noch eine Standartenübergabe eingeplant. Da kamen mir sofort die schlechten Erinnerungen aus der ersten RS-Woche in den Sinn. Diesmal mussten wir aber nur etwas über eine Stunde stehen. Die Übergabe wurde sehr speditiv abgehalten. Weil all unsere Arbeiten schon erledigt waren, konnten wir den Abend bei einem Kampfbier ausklingen lassen.

Eigentlich habe ich mir diese Durchhalteübung anstrengender vorgestellt. Dies mag einerseits am Ersatzprogramm liegen. Aber auch wenn wir drei Tage geschossen hätten, wäre es nicht viel schlimmer gewesen. Das Ziel war wahrscheinlich uns psychisch zu erniedrigen. Denn wir mussten unsere Natel, mp3-Player und Co abgeben. Ebenfalls war das Essen meist sehr mager und knapp bemessen. Manche Leute haben auch ein riesiges Problem im Wald zu schlafen oder so lange nicht zu duschen. Es war sicherlich nicht immer angenehm, aber es war eine DHU! Die Einstellung jedes Einzelnen spielt eine wichtige Rolle. Denn war schon von Anfang an negativ eingestellt ist, wird es schwer haben. Der Kommandozug hat die ganze Woche, mit mehrheitlich guter Stimmung, gut überstanden.

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4 Antworten to “Woche 19: Durchhalteübung”

  1. david Says:

    das kommt mir bekannt vor.
    wir hatten unsere dhu im tessin, aber wirklich anstrengend war es auch nicht (bis auf den abschliessenden 50 km marsch). aber schliesslich müssen ja alle die dhu überleben und wenn man körperlich ein bisschen fitter ist, hat man eigentlich kein problem damit.

  2. seeder Says:

    Hehe…die DHU – ein Phänomen für sich. Erstmal war sicherlich eure Jäger-Aktion geil – das hätte ich auch erleben wollen…und so wie du schreibst, müsst ihr sogar eine härtere DHU erlebt haben, als wir. Bei uns gliederte sich das Programm in:
    Sinnlos herumfahren, Kaffee saufen, schlafen, Sinnlos herumfahren, Inspizieren, Beobachtungsergebnisse berichten, schlafen, Kaffee saufen, schlafen.
    Da wir viel unterwegs waren, konnten wir meistens unseren Schlafpunkt selber aussuchen (sprich Bauernhof etc) und weit und breit waren keine höheren (ausser unser LT selber) … Aja, geduscht hatte ich am Mittwoch in der DHU auch noch bei einem Lastwagentransportunternehmen 😉

  3. seeder Says:

    Und Natel / MP3-Player und Bücher überbrückten uns jeweils die Zeit, welche wir als Beifahrer verbrachten.
    Essen hätten wir auch nichts zusätzliches mitnehmen dürfen (wurden durchsucht) – trotzdem war die DHU ein Schmaus..wir hatten so viel versteckt, dass wir sogar die Hälft wieder ausladen konnten am Ende der DHU…

  4. markus Says:

    Naja, Bücher, Sudoku, Zeitungen und persönliches Essen durften wir mitnehmen. Da wir fast nur Panzerfahrer haben, konnten wir auch nicht so weit verschieben. Dazu kam noch, dass der Schulkomandant Angst hatte, der heisse Strassenbelag könnte kapputgehen.

    Etwas wichtiges habe ich noch vergessen: Unser Büroteam musste noch den Waldboden wischen …

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