Archive for Juni 2006

Woche 14: Fahrzeugfassung

24. Juni 2006

Am Dienstag dieser Woche sind wir in der Kaserne Bière zur Verbandsausbildung VBA eingerückt. Nach dem Einrücken und dem Bilden der Batterien haben wir unsere Zimmer bezogen und Material gefasst. Nach verschiedenen Theorien und dem Nachtessen, zeigte uns der Hauptfeldweibel bei der Zimmerinspektion, dass er von seinem Job sehr überzeugt ist. In den Bettdecken waren falten, die Gamellen waren nicht nach seinem Wunsch ausgerichtet, …

Die Fassung der Fahrzeuge fand am Mittwoch statt. Am Morgen wurde das gesamte Inventar kontrolliert, am Nachmittag wurde die Gefechtsbereitschaft erstellt. Das ganze ging sehr schleppend vor sich. Die Vermesser waren fast den ganzen Nachmittag arbeitslos, da nur die Fahrer gesucht waren.

Am Donnerstag durften dann auch die Vermesser Feuerleitstelle richtig arbeiten. Zusammen mit den Feldweibeln übten wir die Leitung des Feuers mit FARGO und INTAFF im Theoriezimmer. Am Abend konnten wir den ersten Ausgang geniessen, wobei in Bière nicht viel los ist.

Am Freitagmorgen wurden wir um 05.00 Uhr geweckt: Übung Skorpion tre! Das heisst in 75 Minuten eine Gefechtsstellung beziehen. Die Batterie 1 war die einzige, die komplett erfüllt hat. Deshalb dürfen wir beim nächsten Alarm weiterschlafen. Das Morgenessen nahmen wir auf dem Feld ein. Anschliessend übten wir Gefechtsverschiebungen und gaben auf einer Drillpiste alles. Am Nachmittag schossen wir in der KD-Box, erstellten BG4, übten C-Alarme und repetierten einige Sanitätsbereiche. Am Abend musste noch ein Wochenparkdienst an den Fahrzeugen durchgeführt werden. Dies zog sich wieder in die Länge, da sich die Vorgesetzten nicht einig waren, wie die Fahrzeuge nun in die Halle platziert werden sollten. So wurden die Fahrzeuge mehrmals umplatziert. Nach einem PD/ID-Sprint konnten wir ein geniales Spiel der Schweizer Fussball-Nati verfolgen.

Im Vergleich zum Leben während der RS in Oberstammheim / Frauenfeld gibt es einige Unterschiede. Zum Beispiel ist die Zimmerordnung viel strenger: Da wir nun „richtige“ Better haben, müssen wir auch jedes Mal tiptop betten. Am Antrittsverlesen müssen wir Dank dem Hptfw auch immer Reaktionsübungen machen. Ansonsten ist der Dienstbetrieb (bis jetzt) meistens nicht abnormal anstrengend und es gibt genügend Pausen. Mängel gibt es beim Essen: Die Organisation ist schlecht, die Menüwahl unglücklich und die Menge zu gering. Da bin ich mir anderes gewöhnt. Wenigstens ist unser Zugführer (Leutnant) total in Ordnung.

Fazit Funktionsgrundausbildung FGA

19. Juni 2006

In den Wochen 6 bis 13 wurden wir individuell für unsere Funktion ausgebildet. Unsere Gruppe der Feuerleitstellenvermesser (Verm Flst) bestand aus vier Personen. Wir hatten es immer gut und lustig zusammen. Die Ausbildung durch den Feldweibel und die Nachwuchs-Wachtmeister war abwechslungsreich und interessant. Einzig die eingeschobenen AGA-Tage (Grundausbildung) waren lästig. Man muss auch sagen, dass die FGA-Phase trotz den verschiedenen Übungen einiges lockerer war als der erste Teil. Unsere Ausbildung absolvierten wir vorwiegend im Theoriezimmer. Einige Male machten wir praktische Vermessungsübungen auf dem Feld und wendeten das gelernte bei den Übungen im Panzer praktisch an. Schade finde ich, dass mit unseren Angaben noch nie scharf geschossen wurde.

Unterkunft
Nach einer Angewöhnungsphase hat mir die Unterkunft und das "Landleben" in Oberstammheim gefallen. Obwohl die ganze Kompanie (ausgenommen die Fahrer) im gleichen Zimmer geschlafen hatten, war es trotzdem ruhig. Dies liegt auch daran, dass wir im zweiten Teil nur noch 28 Rekruten waren. Geschlafen hatten wir im Schlafsack oder Flauschi, Betten wie in der Kaserne Auenfeld kannten wir nicht. Einige Duschen mehr wären nicht schlecht und auch einen Fussballkasten könnte gebraucht werden. Ein anderer Nachteil sind die täglichen Verschiebungen nach Frauenfeld. Die Fahrten im Lastwagen waren nicht besonders interessant, später mit dem DURO war es bequemer. Das grösste Problem sind aber die Mittagspausen. Die Rekruten im Auenfeld konnten sich über den Mittag in ihre Zimmer zurückziehen und schlafen. Wir mussten im Verpflegungsgebäude Siesta machen und hatten zudem ständig eine Materialwache war dem Haus zu betreiben.

Kader
Ich denke wir hatten es mit den meisten Vorgesetzten gut. Wenn man die Anweisungen ohne grossen Widerstand ausführt, gibt es meistens keine Probleme. Die Einstellung der Rekruten und der Gruppe ist sehr wichtig. Wenn der Oberleutnant das Gefühl hat, wir müssen zwoundzwanzig (Liegestützen) machen, dann machen wir diese halt mit "Freude". Auch die neuen Wachtmeister aus der Kaderschule haben schnell gemerkt, dass es sich nicht lohnt, die Rekruten zum Zeigen der geputzten Schuhe anmelden zu lassen. Zum Feldweibel, Hauptausbilder der Feuerleitstellenvermesser, hatten wir ein gutes Verhältnis. Auch wenn er einen Rekruten "Pflock" nennt, geht die Welt nicht unter und man muss nicht sofort eine Beschwerde schreiben.

Woche 13: Übung 48 Ora

17. Juni 2006

Am Sonntag mussten wir bereits um 21.30 Uhr einrücken, damit die Übung 48 Ora am Montag früh starten konnte. Um 03.30 wurden wir durch die Nationalhymne geweckt, um 4 Uhr gab es einen Gamellendeckel voll Teigwaren und anschliessend reisten wir nach Frauenfeld. Um ca. 05.30 Uhr starten wir zum 25 km Marsch, der auch Bestandteil der Übung war. Das Ziel erreichten wir nach 5 Stunden und 30 Minuten mit allen gestarteten, wobei wir nur zwei kurze Pausen zum Nachfüllen der Feldflasche machten. Allerdings hatten die Verpflegungsposten für diese Hitze zu wenig Wasser bereitgestellt. Unsere Kompanie hielt sich an den Befehl des Schulkommandaten und schleppte den ganzen Schutzanzug und den Regenschutz im Rucksack mit, andere Kompanien trugen nur den Regenschutz mit und hatten trotzdem eine hohe Ausfallquote. Die Füsse brannten nach dem Marsch und die Schultern schmerzten, doch "Krieg ist gefährlich" und die Übung ging weiter. Nach einem kurzen Mittagessen fassten wir zwei Schützenpanzer und stellten sie in einer Deckung auf. Den Rest des Nachmittag und die Nacht verbrachten wir abwechslungsweise mit Funk-/Intaffwache und schlafen im Biwak.

Am Dienstagmorgen musste dann plötzlich alles schnell gehen. Tarnung und Aggregate aufladen und ab auf den Gefechtsplatz düsen. Nun stellten wir unsere beiden Panzer wieder auf und machten sie betriebsbereit. Nach dem wir am Morgen einige Serien virtuell geschossen hatten, fuhren wir für das Mittagessen wieder in die Deckungsstellung. Am Nachmittag leiteten wir das Feuer nochmals. Anschliessend trafen wir uns mit dem Schulkommandaten für eine kurze Übungsbesprechung, nahmen das Nachtessen ein und schauten das Spiel Frankreich – Schweiz in einer Panzerhalle. Später demontierten wir noch Antennen und MG vom Panzer und gönnten uns eine verdiente Dusche.

Den Mittwoch und Donnerstag verbrachten wir mit dem retablieren unseres Schützenpanzers. Nachdem alles ausgeräumt, kontrolliert, geputzt und wieder eingeräumt war, verluden wir den Panzer auf einen Bahnwagen. Dies tönt nun ziemlich speditiv. Doch die Armee und vor allem die Zeughausangestellten können solche Arbeiten in aller Seelenruhe abwickeln. So brauchten wir tatsächlich eineinhalb Tage bis der Panzer verladen war. Wieso wir bereits um 05.30 Uhr aufstehen mussten um anschliessend vor der verschlossen Halle eine halbe Stunde lang jassen zu müssen, steht auch in den Sternen. Jedenfalls eines habe ich während diesen zwei Tagen gelernt: Das Jassen. Die Ruhephase vom Donnerstagnachmittag, unter einem schattigen Baum, wurde leider von einer Stunde Wache unterbrochen.

Am Mittwochabend war der Kompanieabend angesagt. Das heisst im Esssaal sitzen, WM schauen und Grillade essen. Für mich enttäuschend. Nichts so spezielles, wie man es von anderen Rekruten hört.

Am Freitag putzten wir unsere Unterkunft in Oberstammheim, verluden das Gepäck für Bière und konnten um 11 Uhr abtreten. Damit wäre die Rekrutenschule in Frauenfeld abgeschlossen, am Dienstag rücken wir in Bière als Soldaten zur VBA ein.

Woche 12: Inspektion / Übung Arcobaleno

11. Juni 2006

Dank Pfingsten mussten wir erst am Montagabend einrücken. Am Dienstag übten wie abermals Gefechtstechniken, verschiedene Schiessen und C-Alarme. Nach dem Abendessen wurden wir auf die Inspektion vom Mittwoch vorbereitet. Selbstverständlich musste wiederum alles neu kontrolliert, beschriftet und gerichtet werden. Bei der letzten Inspektion durften wir aus Datenschutzgründen mehrere Gegenstände nicht mit der AHV-Nummer beschriften, diesmal schien das nicht mehr aktuell und die Nummer wurde überall darauf geknallt.

Die Vorbereitungen wurden am Mittwoch fortgesetzt. Um ca. 10 Uhr begann dann die Inspektion, welche eigentlich vom Schulkommandant durchgeführt werden sollte, doch dieser schickte einen Stellvertreter. Reaktionsübungen, Zugschule, verschiedene Kontrollen, Kompanielied, Unterkunft, Küche und Wagenpark wurden inspiziert. Die Kontrolleure konnten nicht wirklich etwas bemängeln. Damit sie dennoch kritisieren konnten, beanstandeten sie beim Kadi-Puch das Reifenprofil und ein weiterer Kader-Puch war nicht aufgeräumt. So erhielten wir schlussendlich ein sehr gut plus. Mit dem Resultat waren wir dann auch zufrieden. Nur das ewige im "Achtung stehen" und nicht bewegen ist äusserst anstrengend und ungesund!

Am Nachmittag bereiteten wir uns für die Übung Arcobaleno vor. Nach dem wir auch die SIM-Ausrüstung montiert hatten, gingen wir ganz unnötigerweise in den Wald von Oberstammheim um Gefechtsformationen zu üben. Anschliessend begann der infanteristische Teil der Übung: Wir wurden in einem Waldstück ausgesetzt und sollten ein von Markeueren bewachtes Fähnchen erobern. Es gab aber weder ein Fähnchen noch Markeure. Also gingen wir weiter zu unserem Biwakplatz. Auf diesem Weg wurden wir kurz angegriffen. Beim Biwakplatz stellten wir die Zelte auf, assen etwas kleines und organisierten die Nachtwache. Immernoch ausgerüstet mit SIM, erwarteten wir jeden Moment einen Angriff. Die ganze Nacht war aber ruhig. Gegen fünf Uhr am Morgen machten sich dann einige Angreifer bemerkbar, ich war jedoch am schlafen.

Mittlerweile ist Donnerstag und wir gegen die SIM-Gstältli wieder ab. Von den 60 Schuss Markiermunition habe ich keinen einzigen verschossen, was den Vorteil hat, dass ich die Flinte nicht vollständig putzen muss. Nun startet der Artillerie-Teil der Übung. Wir sattelten den SchüPa und kollonierten auf dem Kasernenareal auf. Alle Systeme auf den Fahrzeugen wurden gestartet und anschliessend inspiziert. Endlich ging es los. Wir fuhren zu einem Bauernhof ganz in der Nähe, parkierten den Panzer in einem Unterstand, stellten Fernantennen auf und tarnten ihn. Danach ging auch schon das simulierte Artilleriefeuer los. Da wir nur vier Feuerleitstellenvermesser sind und jeweils zwei für den Betrieb gebraucht werden, wurde diese Übung ziemlich anstrengend. Die ganze Nacht wurde durchgeschossen, dazwischen hatten wir natürlich auch noch Patrouille. Eine Stunde Schlaf musste also reichen. Bei uns waren ebenfalls die Betriebssoldaten und die Bürohocker eingeteilt. Die Schoggi-Bürosoldaten waren natürlich die ärmsten, sie hatten acht Stunden Wache und konnten nur vier Stunden schlafen! Da sage ich nur: "Gsänd Sie die Träne?!"

Es ist Freitag und wir sind immernoch am Schiessen. Das lang ersehnte Mittagessen trifft ein. Aber fast gleichzeitig kommt der Befehl: Sofort zusammenpacken und zur AMP-Halle fahren. Also wurde wieder nichts aus einem gemütlichen Essen. Nach der Übungsbesprechung am Nachmittag putzten wir die Fahrzeuge wieder auf Hochglanz. Danach wurden sie wiederum inspiziert. Endlich konnten wir in die Kaserne und gönnten uns eine Dusche. Am Abend konnten wir die ausgefallenen Ausgänge bei einem Grillplausch teilweise kompensieren.

Die Übung Arcobaleno war eigentlich sehr interessant, aber auch anstrengend, da wir nicht schlafen konnten. Während der ganzen Woche war die Organisation etwas chaotisch, so auch bei der Übung. Etwas mehr und vor allem frühere Informationen wären jeweils nicht schlecht. Unsere zukünftigen Feldweibel waren zu Beginn auch überfordert, aber auch diese werden in Bière von den Erfahrungen profitieren.

Nachtwache

5. Juni 2006

Eine aus meiner Sicht sehr fragwürdige Einrichtung ist die Nachtwache. Zu Beginn der FGA-Phase hatten wir während drei Wochen durch den Tag keine Zutrittskontrolle. Also wieso muss der Eingang in der Nacht bewacht werden? Die Türe könnte problemlos abgeschlossen werden. Auch das Material in den Zimmern ist in der Nacht durch unsere Anwesenheit besser bewacht. Das ganze Theater ist also nur für unsere psychische Stärkung gedacht.

Woche 11: Übung Bosco

4. Juni 2006

Am Montag war ein ganz normaler Ausbildungstag im Theoriezimmer angesagt. Am Abend durften wir noch Fernantennen aufstellen.

Am Dienstag war AGA-Tag und es ging wieder ab auf das Feld. KD-Box schiessen und INTAFF auf den Fahrzeugen waren am Morgen die Themen. Am Nachmittag durften wir dann mit den MGs von einer Munschnecke schiessen. Die ganze Übung war aber ziemlich mühsam, da wir von 14.00 bis 16.30 Uhr eigentlich nur warteten und davon 10 Minuten mit schiessen verbrachten. Anschliessend war noch eine Sim-Gefechtsübung geplant. Diese spielten wir in 20 Minuten durch, wobei die Vorbereitungen schon 25 Minuten in Anspruch nehmen. Nach dem Nachtessen durften wir von der Feuerleitstellen-Gruppe noch einen Test schreiben. Etwa um 22.15 waren wir in Oberstammheim, mussten die Flinte und die Schuhe putzen, duschen und um 23.00 Uhr im Bett liegen. Der zu ruhige Nachmittag rächte sich also und unsere Gruppe musste wieder einen Sprint hinlegen.

Am Mittwoch beschäftigten uns wiederum der FARGO und verschiedene Aufgaben zum Bestimmen der Schiesselemente ohne technische Hilfsmittel.

Am Donnerstagmorgen arbeiteten wir das erste mal mit FARGO und INTAFF zusammen, Dabei stellte sich heraus, dass uns der INTAFF-Ausbilder das falsche gelernt hatte. Am Nachmittag machten wir unseren Schützenpanzer gefechtsbereit und übten das Einvisieren mit Handzeichen. Am späteren Nachmittag ging dann die Übung Bosco los. Wir fuhren mit unserer Maschine zum Übungsplatz, versorgten ihn in einen Holzschopf, tarnten den Eingang, bauten Aggregat und Fernantenne (für einen Funkradius von 100 Meter!) auf. Anschliessend ging das übliche Prozedere los: Das Dispositiv muss bewacht werden. Man ist entweder auf Patrouille, als Reserve eingeteilt oder man schläft. Während dieser Nacht schliefen wir also zwei Stunden, wobei die Feuerleitstelle Glück hatte und im Unterstand schlafen durfte. Die anderen montierten die genialen Biwakzelte. Wie es bisher bei allen Nachtübungen war, waren die Temperaturen sehr tief und der Regen nicht sehr angenehm.

Am frühen Freitagmrgen wurde die Übung beendet. Nach dem Aufräumen gingen wird zurück auf die Allemend in Frauenfeld und übten noch einige Bezüge von Gefechtsständen. Da das gesamte Material sehr schmutzig war, fiel das Sportprogramm am Nachmittag aus und wir putzten stattdessen den Panzer.