Inhaltsverzeichnis

23. September 2006

Da die Artikel in diesem Blog umgekehrt geordnet sind und sich einige Leser damit nicht zurechtfinden, habe ich hier noch ein Inhaltsverzeichnis zusammengestellt.

Allgemeine Grundausbildung AGA:

Funktionsgrundausbildung FGA:

Verbandsausbildung VBA:

RS-Rückblick

18. September 2006

Nun ist es schon über einen Monat her, als ich meine Rekrutenschule beendete und wieder ins zivile Leben einstieg. Trotzdem möchte ich noch einen letzten Rückblick der 21 Wochen bei der Schweizer Armee machen.

Ausbildung & Dienstbetrieb
Am 21. März dieses Frühlings war ich in Frauenfeld ohne grosse Erwartungen in die Art RS 30-1 eingerückt. Mein Ziel war es die RS möglichst angenehm zu überstehen. Eingeteilt war ich als Vermesser mit den Wettersoldaten und den Schiesskommandantenfahrern in der Kompanie 2. Unsere Kompanie war nicht im Auenfeld oder in der Stadtkasere untergebracht, nein wir wohnten 15 km entfernt in Oberstammheim ZH im Werkhaus. Hier ist auch das erste Problem ersichtlich: Wir mussten jeden Tag mit dem Lastwagen, später mit den Duros, nach Frauenfeld TG und zurück verschieben. Diese Zeit wurde uns jeweils von der Pause abgezogen. Da konnte es auch passieren, dass mir um 22.30 Uhr zurückkamen und dann in einer halben Stunde die Schuhe sowie das Sturmgewehr putzen mussten und auch noch Duschen sollten. Das war extrem knapp und stressig. Doch die Vorgesetzten sagten immer, es sei eine gute Vorbereitung für Bière. Dies stimmt aber nicht. Da hatten wir ausreichend Zeit. Da der Tagesablauf in der Ostschweiz immer viel zu knapp bemessen war, gab es während den ersten sieben Wochen fast keine Möglichkeiten für Freizeit. Deshalb waren alle froh, wenn sie einen Tag (6-22 Uhr) lang Wache halten durften. Die Nachtwache war jedoch sehr unbeliebt. Der Komfort in Oberstammheim war ausserdem nicht besonders gut. Wir schliefen alle in einem Schlag für 60 Personen, wobei wir zu Beginn etwa 40 Nasen waren. Wir hatten nur einen improvisierten Kiosk und keine Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten wie Fussballkasten. Hingegen hat mir die Umgebung auf dem Land gut gefallen, jedenfalls war die Aussicht schöner als in der Betonfestung Auenfeld.

Es ist mir klar, dass die Vorgesetzten von Anfang an streng sein müssen, sonst läuft alles ausser Kontrolle. Zudem wollte unser Kadi den Pokal der besten Kompanie verteidigen (gelang leider nicht). Deshalb hat er, im Vergleich mit den anderen Kompanien in Frauenfeld, viel mehr Wert auf das korrekte Auftreten gelegt und uns strengere Auflagen gemacht. So durften wir zum Beispiel in der Pause nicht auf den Boden sitzen oder mussten auf den Märschen immer das ganze Gepäck mittragen (andere Kompanien hatten nur den Regenschutz dabei = Pyjama-Packung). Das ist unheimlich demotivierend.

Während der Phase der allgemeinen Grundausbildung AGA waren die stundenlangen Sturmgewehr- und MG-Sessions, das so genannte Riegeln, besonders mühsam: Laden, Entladen, Störungen, Patroullienstellung, Einsatzstellung, Kontaktstellung und so weiter. Dies wurde meist mehrmals wiederholt, was unheimlich spannend und motivierend war. Zum Glück gab es dazwischen auch Tage, an denen wir uns nur mit den Funkgeräten oder dem Sanitätsdienst befassten. Das Schiessen in den Kurzdistanz-Boxen (KD-Box: 3 bis 30 Meter) wurde mit der Zeit auch immer langweiliger. Das Treffen ist reine Glückssache. Ich hätte viel lieber über 300 Meter geschossen. Doch in einem Schiesstand waren wir während der ganzen RS-Zeit nur etwa fünf Mal. Das ganze Programm war sehr ermüdend, so schlief ich an den ersten Wochenenden fast durch.

In der zweiten Phase der Ausbildung zum Soldaten, der Funktionsgrundausbildung FGA, wurde es etwas lockerer. Dennoch hatten wir vor allem gegen Ende Übungen mit 24-Stundenbetrieb, welche an die Substanz gingen. Ich wurde mit vier Kameraden als Vermesser Feuerleitstelle eingeteilt. Unser Handwerk erlernten wir im Theoriezimmer und bei Feldversuchen. Im Schulzimmer musste ich jeweils kämpfen, damit ich nicht einschlief. Mit den Wachtmeistern (später Feldweibeln), welche direkt aus der Kaderschule zu uns stiessen, war ich im Allgemeinen zufrieden. Auch sie mussten sich an die neue Situation gewöhnen und gaben meist ihr Bestes.

Nach 13 Wochen in Frauenfeld wurden nun die verschiedenen Funktionen gemischt und in Batterien eingeteilt. Die Verbandsausbildung VBA absolvierten wir in Bière VD mit Verschiebung nach Bure JU. Ich war der Art Bttr 1 zugeteilt. Hier wurden primär nicht die Soldaten ausgebildet, sondern die Zugführer (direkt von der Offiziersschule gekommen) und Batteriekommandanten. Wir waren also nur Manipulationsmasse. Während diesen 8 Wochen gab es sehr stressige Phasen aber auch lockere Zeiten. Im Vergleich zum ersten Teil war die Zeit in Bière nicht so anstrengend und wir hatten viel mehr Freizeit. Einzig die Hitze, welche diesen Sommer herrschte, war unangenehm und das Wasser aus den Wassersäcken („Pneuwasser“) schmeckte scheusslich. Sehr beschwerlich war natürlich der Weg in die Westschweiz. Deshalb waren auch die Wochenenden kürzer. Der Stress, welcher uns noch in Frauenfeld angekündigt wurde, sah ich nirgends. Die Schuhe putzen wir oft im Schnellverfahren und zum Duschen hatten wir genügend Zeit.

Kameradschaft & Motivation
Als absolutes Highlight wird mir die Kameradschaft in Erinnerung bleiben. Sowohl in Oberstammheim wie auch in Bière hatten wir innerhalb des Zuges ein sehr gutes Verhältnis. Die Hilfsbereitschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl waren enorm. Jedoch war das Verhältnis zu den Vorgesetzten in Bière viel lockerer. Unser Zugführer spielte zum Beispiel mit uns Karten oder besuchte uns beim ABV. Er setzte sich für uns ein und wollte uns die Zeit möglichst angenehm gestalten.

Natürlich hat es trotzdem Tiefpunkte gegeben. Die Einstellung jedes Einzelnen ist aber sehr wichtig. Wenn zum Vornherein schon alles Scheisse ist, wird es schwierig und die Zeit extrem lang. Man muss etwas abschätzen können, wann es darauf ankommt und wann nicht. Gibt man dann sein Bestes und arbeitet zusammen, sind die Aufgaben schneller erledigt und die Vorgesetzten zufrieden. Genau so ist es mit den Liegestützen oder dem Morgenlauf. Wenn man es als sportliche Herausforderung ansieht und seinen Körper gratis trainieren kann, geht es viel einfacher von der Hand. Deswegen sollte man sich auch gegenseitig motivieren können.

Tipps
Noch einige Tipps für diejenigen, welche die RS noch vor sich haben: Je nach körperlicher Verfassung würde ich einige Märsche machen und sicher die Schuhe gut einlaufen. Ausserdem würde ich einen etwas schwereren Rucksack herumtragen, damit der Rücken gestärkt wird. Denn das Gepäck ist wirklich schwer. Sobald man dann eingerückt ist, sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen und eines nach dem anderen nehmen wie es ist.

Für detaillierte Informationen liest du bitte die Wochenberichten.

Fazit Verbandsausbildung VBA

21. August 2006

Grundsätzlich waren die acht Wochen der VBA die interessanteste Zeit der RS. Während 13 Wochen wurden wir in Frauenfeld ausgebildet. Nun konnten wir das gelernte endlich richtig anwenden. Das Aufbauen der Gefechtsstände ist meistens mühsam, da es immer schnell gehen muss. Sobald die Anlage steht, wird es „gemütlich“. Als Artillerist muss einem das Herz höher schlagen, wenn die Granaten im Ziel einschlagen. Aber eigentlich macht es für die Feuerleitstelle keinen Unterschied, ob die Haubitzen nun scharf schiessen oder nicht. Keinesfalls darf man zu viel über die Kosten eines solchen Schiessens nachdenken.

Neben dem Artillerieschiessen machten wir aber auch vieles Unnötige. Personen- und Zutrittskontrollen sowie ABC-Repetitionen und KD-Box-Schiessen waren schlicht als Beschäftigungstherapie zu verstehen.

Unser Führer des Kommandozuges war ausgezeichnet, dadurch ging die Zeit in Bière schnell vorbei. Er war einer von uns. Spielte mit uns Karten oder besuchte das legendäre Zimmer 2018 beim ABV. Die Kameraden im Zug und vor allem das Team des Gefechtsstandes waren genial.

Weniger gut als in Oberstammheim war in Bière das Essen. Auch das „Pneuwasser“ (Wasser aus Gummisäcken) bei den mehrtägigen Übungen war hässlich. Ausserdem war jeweils die Reise durch die ganze Schweiz nicht lustig.

Woche 21: Die letzten Tage …

14. August 2006

In die letzte Woche starteten wir am Montagmorgen mit einem 35 Kilometer Marsch. Etwa um 8.30 Uhr starteten wir bei der Kaserne in Bière. Anschliessend bewegten sich unsere Füsse über Apples, Villars Bozon, Montricher und Berolle zurück nach Bière, wobei zwischen Bozon und Montricher einen Hügel überwunden werden musste. Während 7 Stunden und 20 Minuten waren wir unterwegs. Tenü: GT ohne Schuma-Tasche, Kampfrucksack mit Regenschutz und Sturmgewehr. Ausgelegt war die Aktion als Schulmarsch. Das bedeutet, dass die Reihenfolge bei Start und Ziel gleich ist. Da der Kommandozug meistens schneller als die Anderen, mussten wir am Ende der Batterie 1 laufen. Dies war sehr mühsam, denn das Tempo war zeitweise extrem langsam. Ich habe den „Spaziergang“ im Vergleich mit einigen Kollegen gut überstanden. Die Beine schmerzten erst, als ich mich im Ziel nicht mehr bewegte. Fünf Minuten nachdem wir im Ziel angekommen waren, mussten wir auch schon die Schuhe putzen. Nach dem Nachtessen und einer Matkontrolle gaben wir das erste Material ab, ein gutes Gefühl.

Am Dienstag begann wir die Schützenpanzer auszuräumen, um das Material von den Zeughausmenschen kontrollieren zu lassen. Ab 10 Uhr mussten wir nochmals das 300 Meter Wettschiessen schiessen. Es lief mir nicht so gut, 63 Punkte. Die Organisation war chaotisch und deshalb die Zeit knapp. Auch erwähnen muss ich hier, dass wir seit den Art-Games in Woche 7 nicht mehr im 300 Meter Stand waren. Am Nachmittag wäre eine Waffeninspektion geplant gewesen. Als wir die Flinten geputzt hatten, informierte uns der Zugführer, dass kein Inspektor da sei (drei Ferien und einer hat es vergessen!) und wir die Gewehre wieder einfetten sollen. Zum Glück war ich nicht so schnell. Fünf Minuten später kreuzte doch noch ein Kontrolleur auf. Diejenigen, welche mit dem Einfetten begonnen hatten, konnten nochmals entfetten. Sauberes Gewehr zusammensetzen, in die Sporthalle wechseln, Gewehr zerlegen. Der Inspektor suchte sich vier Mechaniker aus der Batterie aus, instruktierte sie kurz und dann schauten diese unsere Gewehre an. Nur der Lauf wurde vom Verantwortlichen geprüft. Nach dem Einfetten war der Nachmittag auch gelaufen. Den Abend liessen wir mit dem Batterieabend im Esssaal ausklingen.

Eingeteilt beim Hauptfeldweibel stand am Mittwoch ein anstrengender Tag an. Am Morgen räumten wir das gesamte Material aus dem Magazin. Obwohl viel Material schon gebündelt war, mussten wir es nochmals aufschneiden und nach einem speziellen Reglement neu zusammenlegen und binden. Damit war unser Detachement der ganze Tag beschäftigt, denn immer wieder wurde Material abgegeben, unsere Batterie bestand aus über 100 Mann. Anschliessend wurde alles gezählt und einen Teil auf den Anhänger verladen. Es ist 22.30 Uhr und wir können uns vor dem ABV noch eine Dusche gönnen. Soviel wie an diesem Tag, haben wir während der RS nur selten gearbeitet. Dementsprechend tat mir auch der Rücken und das Handgelenk weh.

Um 5.30 Uhr war am Donnerstag bereits Tagwache. Wir schnappten den Lkw mit Anhänger und verschoben zum Zeughaus, wo wir die erste Ladung deponierten. Komplizierter wurde es beim Küchenmaterial: Etwa um 9.30 Uhr begannen wir mit dem Abladen, weil das Material aber erst um 13.00 Uhr entgegen genommen wird, müssen zwei Soldaten Wache stehen. Einer war ich. Von 10.00 bis 15.30 Uhr bewachten wir also das Küchenmaterial, denn um 13 Uhr war das Zeughaus noch nicht bereit. Zum Mittagessen erhielten wir von unseren Kameraden je zwei Sandwiches. Als wir nach 15.30 Uhr das Material endlich kontrollieren und abgeben konnten, sollten wir es noch in einer Lauge (mit Schutzanzug!) abwaschen. Zum Glück konnten wir uns gekonnt aus dem Staub machen. Nach dem Abendessen packten wir unsere sieben Sachen in den Rolli und hatten eine letzte Besprechung mit unserem Zugführer.

Der letzte Tag, unserer 21-wöchigen Rekrutenschule, bricht an. Nachdem unser Gepäck aus der Unterkunft geschafft war, hiess es warten. Das letzte Mal spielten wir Taroc (Bündner Spiel) und Arschlöcheln. Wie zu Beginn unserer RS, war es extrem kalt und windig. Nach 14.00 Uhr standen wir beim Hauptverlesen bereit zum Abtreten. 145 Diensttage auf dem Buckel. Endlich war es soweit, allgemeiner Jubel. Wir verabschiedeten uns mit Wehmut von einander und zogen Richtung Heimat davon.

Was ist ein Gefechtsstand?

14. August 2006

Im Gefechtsstand ist das Kommando mit dem Kadi und die Feuerleitstelle untergebracht. Von da aus wird das ganze Artilleriefeuer und der Nachschub organisiert. Das Aufstellen eines solchen Gefechtsstandes ist mühsam. Manchmal werden sogar zwei Standorte vorbereitet um bei Konterfeuer den Platz wechseln zu können. Zwei Schützenpanzer parkieren Arsch an Arsch. Dann geht es los: Für jeden Panzer muss ein Aggregat und mindestens eine Fernantenne aufgebaut werden. Natürlich muss die ganze Anlage geheim bleiben, deshalb werden die sehr praktischen Tarnnetze ausgebreitet, alle Kanten gebrochen und bei Dunkelheit die Lichtschleuse montiert. Ich muss zugeben, dass die Tarnung jeweils sehr effektvoll ist. Meisten haben wir unseren Gefechtsstand nur durch den Lärm der Aggregate wieder gefunden! Sobald die gesamte Anlage aufgebaut ist, beginnt in den Schüpas die Arbeit. Aber je nach Standort muss noch eine oder zwei Personen MG-Wache machen. Mindestens ein Soldat befindet sich jeweils auf Nachwache, meistens ein Fahrer.

Die Feuerleitstelle setzt sich theoretisch aus acht Personen zusammen: zwei Fahrer, zwei Vermesser, zwei Übermittler, ein Feldweibel und ein Wachtmeister. Wir waren aber meistens mit einer kleineren Besatzung unterwegs. Meine zwei Vermesser-Kollegen möchten in diesem Blog auch noch verewigt werden: Zum einen war dies Vermesser Cavegn aus den Bündner Alpen, ein guter Mann. Aus dem Zürcher Oberland stammt Vermesser Konrad, den man selten in der Feuerleitstelle sah.

Feuerleitstelle                Feuerleitstelle

Kriegsberichter – Gedanken und Überlegungen zur RS

13. August 2006

Unter dem Namen Kriegsberichter veröffentlicht ein zukünftiger Ada seine Gedanken zur Armee. Obwohl er erst im November einrücken muss, macht er sich schon drei Monate zuvor Gedanken, was er alles verpassen wird. Der Autor schreibt, dass er kein 0815-Blog, wie meines betreiben möchte. Er will seine Gedanken, Überlegungen und Erlebnisse stärker gewichten als die militärischen Abläufe. Dabei frage ich mich, ob der Titel glücklich gewählt wurde. Denn ich hoffe nicht, dass es in der Schweiz Krieg geben wird.

http://kriegsberichter.twoday.net/

Woche 20: Abteilungsübung

6. August 2006

Die zweitletzte Woche startete am Mittwoch um 13.30 Uhr mit dem Antrittsverlesen. Das Tenu Biwak musste bereits erstellt sein, das heisst Ersatzkleider und Schlafsack mussten mit. Die Standarte und den Abteilungskommandant hatten wir bereits am letzten Freitag erhalten. Nun begann also die Abteilungsübung, wo alle vier Batterien zusammen unterwegs sind. Als erstes machten wir die Fahrzeuge für eine längere Fahrt flott. Die Pronto-Phase dauerte sehr lange, bis alle INTAFF-Geräte angemeldet waren, gab es die erste Pause. Als alles bereit war, verschoben wir zum nächsten Warteraum, wo bereits der erste Soldat die „sehr beliebte“ MG-Wache übernehmen musste. Gegen Abend ging dann die Fahrt endlich los. Wir fuhren zu einem genialen Biwakplatz in einer Kiesgrube. Bevor wir die Zelte aufschlagen konnten, mussten wir einen geeigneten Platz vom Unterholz befreien.

Wie üblich musste der Kommandozug in der Nacht die KP- und INTAFF-Wache sicherstellen. Ich sass eine Stunde vor dem INTAFF-Computer und übermittelte einige Funksprüche an die Abteilung. Obwohl alle wussten, dass Markeure unterwegs sind, konnten wir leider nicht alle festnehmen. Einige Sachen wurden geklaut. Um 5.00 Uhr war am Donnerstag Tagwache und wir bauten unter mittlerweile strömendem Regen unser Biwak ab. Anschliessend bezogen wir unseren Gefechtsstand und machten uns für das Schiessen bereit. Ohne grössere Probleme verschoss unsere Batterie am Morgen und am Nachmittag je über 100 Granaten. Die Batterie drei ebensoviele. Dann passierte kurz vor Übungsende leider noch der schwere Unfall, wo eine Haubitze auf dem Dach landete. Zum Glück gab es keine Schwerverletzen, dennoch waren alle sehr betroffen. Die Übung wurde natürlich abgebrochen und wir bezogen unserer zweites Biwak.

Diese Nacht bewachte ich den Computer zwei Stunden. Wegen dem Unfall gab es keine Markeure und es blieb ruhig. Bereits um 4.00 Uhr mussten wir aufstehen um in die Batterielauerstellung zu verschieben und dort zu warten. Es regnet in Strömen. Gegen 10 Uhr wurde die erste Granate abgefeuert. Frage: Wieso so früh aufstehen? Antwort: Ist so, weil befohlen so! Wiederum feuerten wir ungefähr 80 Granaten in Richtung Zielhang, bevor Nebel aufzog und die Übung abgebrochen wurde. Anschliessend folgte ein kurzer WPD und die Standartenrückgabe, welche wieder aussergewöhnlich speditiv ablief. Wahrscheinlich hat auch der Major gemerkt, dass uns diese Zeremonien nichts sagen. Nach dem Nachtessen mussten wir unser persönliches Material putzen und kontrollieren. Bei der anschliessenden Zimmerinspektion war der Hauptfeldi zum Erstaunen aller schon beim ersten Durchgang zufrieden und wir durften endlich eine Dusche geniessen.

Woche 19: Durchhalteübung

31. Juli 2006

Diese Woche startete mit dem Packen für die Durchhalteübung DHU. Als alles verstaut war, ging es auf den Appellplatz, wo das gesamte Material wieder ausgepackt und kontrolliert wurde. Sogar die Unterhosen wurden nachgezählt! Der nächste Treffpunkt war um 10 Uhr. Wir wussten immer noch nicht ob nun der Marsch stattfinden würde. Die erlösende Nachricht kam aber bald. Der Marsch wurde auf den Spätnachmittag verschoben. Also gingen wir vorerst in unseren Biwakraum und bauten unsere Zelte auf. Zum Mittagessen machten wir auf dem Notkocher einen Jonny und assen dazu Reis. Nach dem Mittagsschläfchen bereiteten wir uns um 16 Uhr für den Marsch vor. Etwas später marschierten wir auch schon ab. Die Sonne stand hoch und es war immer noch extrem heiss! Die angebilchen 25 km absolvierte der Kommandozug in 4 Stunden und 45 Minuten. Wir überholten wiedermal alle anderen Züge und sogar für die Küche mit dem Zwipf-Posten waren wir zu schnell. Beim letzten 25 km Marsch in Frauenfeld brauchten wir 45 Minuten länger, obwohl wir etwa mit dem gleichen Tempo unterwegs waren. Da zeigt sich, dass uns wahrscheinlich nicht immer die wirklichen Kilometer mitgeteilt werden.

Mit Ausnahme von einer Stunde KP-Wache konnte ich diese Nacht durchschlafen. An diesem Dienstag war trotz grosser Trockenheit das erste Artillerieschiessen vorgesehen. Am Morgen sattelten wir die Fahrzeuge und nach einer kurzen Inspektion durch den Einheits-BO bezogen wir die Batterielauerstellung BLS. Nach einem vorgezogenen Mittagessen verschoben wir zum ersten Gefechtsstand. Bald waren auch die Haubitzen bereit und die ersten Granaten flogen Richtung Zielhang. Nach 15 Schüssen war aber Ende Feuer, da dunkler Rauch vom Zielgebiet aufstieg. Wirklich gebrannt hat es nicht und wir hätten sicher noch 20 Granaten verschiessen können. Die Übungsleitung wollte aber nicht und so zogen wir uns in die BLS zurück. Die Übung wurde abgebrochen und wir führten den Tagesparkdienst TPD an den Fahrzeugen durch. Anschliessend an das Abendessen mussten wir den Heimweg (ca. 5 km) ins Biwak zu Fuss absolvieren.

Diese Nacht hatte ich von 23 bis 24 Uhr wieder KP-Wache. Gleich bevor meine zweite Schicht um 5 Uhr begann, wurde ein Porcospino ausgelöst. Das heisst möglichst schnell aus dem Schlafsack steigen und sich um das Dispositiv verteilen. Ich war schon fast bereit für die Wache und so konnte ich schön mitansehen, wie die Kameraden fluchend aus den Zelten kamen. Nach einem mikrigen Morgenessen (eine Packung Biscuit und einer Portion Konfitüre) starten wir auch wieder mit einem Marsch in den Mittwoch. Die über 5 km vom Biwakraum bis zum MunMag auf dem Waffenplatz bezwangen wir mit einem ansehlichen Tempo. Unser Zug überholte natürlich die anderen wieder, doch wir dürfen immer noch nicht als erste starten. Beim MunMag stiegen wir in den Lastwagen, um ca. 500 Meter zu fahren und anschliessend bis zur KD-Box im Tobel nochmals 200 m zu laufen. Da wir keine Granaten mehr schiessen durften, mussten wir uns mit einem Ersatzprogramm begnügen: Schiessen in BG4; Drillpiste; schiessen auf Holzbalken, Wasserbalone und Münzen; Knoten lernen; Theoriefragen beantworten. Kein spektakulärer Tag mit unnötigen Posten wie der Drillpiste! Am Abend ging es gleich kompliziert wie am Morgen mit Lastwagen und Füssen ins Biwak zurück

Die Wache wurde nach demselben Schema wie am Dienstag abgehalten. Endlich kam aber durch die Markeure etwas „Stimmung“ auf. Als dann gegen Mitternacht ein Jäger neben unserem Biwak einen Fuchs abschoss, wurde es richtig spannend. Da zu Beginn nicht klar war, dass es sich um einen Jäger handelt, wurde ein Porcospino-Alarm ausgelöst. Leider wurde der Wildhüter nicht verhaftet. Weil er aber direkt neben einem Beobachtungsposten geschossen hat, kam noch der Schulkommandant und die Kantonspolizei vorbei. Der Rest der Nacht verlief ruhig. Am Morgen, als ich Wache hatte, wurde die ganze Batterie mit einem Porcospino geweckt. Da sie in der Nacht wahrscheinlich mehr Knallpetarden starten wollten, mussten alle am Morgen weg. Gegen 30 Petarden flogen um unsere Ohren und alle waren sofort wach. Wie schon so oft wäre heute die Feuerleitstelle im SAPH gewesen, doch das System funktionierte wiedermal nicht. Also mussten die Geschütze einzeln schiessen und die Flst war überflüssig. Deshalb mussten wir mit dem Nachschubszug Fahrzeugkontrollen durchführen. Damit es uns nicht langweilig wurde, bauten die Zugführer noch einige Spiele ein. Das Arbeiten war aber sehr mühsam. Wenn ich die Motivation einiger Nachschubsoldaten hätte, würde es mich auch unendlich „anscheissen“. Anschliessend an das Abendessen bauten wir unser Pfadilager ab und kehrten in die Unterkunft zurück, wo wir eine verdiente Dusche genossen.

Am Freitagmorgen begab sich meine Gruppe nochmals zum Biwakplatz, um nach verlorenem Material zu suchen. Anschliessend machten wir einen kurzen WPD an den Fahrzeugen. Am Nachmittag wurden wir zur Übungsbesprechung gerufen. Die Übungsleitung war im Grossen und Ganzen mit unserer Leistung zufrieden. Danach starteten wir eine kurze Sequenz Zugsschule. Später putzten wir unser persönliches Material, wobei es auch kontrolliert wurde. Gleichzeitig erstellten wir auch die Packungen für die Übung nach dem 1. August. Vor dem Nachtessen war noch eine Standartenübergabe eingeplant. Da kamen mir sofort die schlechten Erinnerungen aus der ersten RS-Woche in den Sinn. Diesmal mussten wir aber nur etwas über eine Stunde stehen. Die Übergabe wurde sehr speditiv abgehalten. Weil all unsere Arbeiten schon erledigt waren, konnten wir den Abend bei einem Kampfbier ausklingen lassen.

Eigentlich habe ich mir diese Durchhalteübung anstrengender vorgestellt. Dies mag einerseits am Ersatzprogramm liegen. Aber auch wenn wir drei Tage geschossen hätten, wäre es nicht viel schlimmer gewesen. Das Ziel war wahrscheinlich uns psychisch zu erniedrigen. Denn wir mussten unsere Natel, mp3-Player und Co abgeben. Ebenfalls war das Essen meist sehr mager und knapp bemessen. Manche Leute haben auch ein riesiges Problem im Wald zu schlafen oder so lange nicht zu duschen. Es war sicherlich nicht immer angenehm, aber es war eine DHU! Die Einstellung jedes Einzelnen spielt eine wichtige Rolle. Denn war schon von Anfang an negativ eingestellt ist, wird es schwer haben. Der Kommandozug hat die ganze Woche, mit mehrheitlich guter Stimmung, gut überstanden.

Berichte der FZZ-Batterie

29. Juli 2006

Durch einen Zufall bin ich heute beim Surfen auf ein weiteres RS-Blog gestossen. Unser Leidesgenosse hat die RS auch in Frauenfeld begonnen und ist mittlerweile in Bière bei der FZZ/FLT-Batterie eingeteilt. Was er alles erlebt und welches die Unterschiede zur Batterie 1 sind, lest ihr in seinen Berichten.

http://rspor.wordpress.com/

Woche 18: Sommerloch?

23. Juli 2006

Nachdem wir am Sonntag nach Bure eingerückt waren, begann der Montag ganz unspektakulär mit der Übungsvorbereitung für den Nachmittag. Das Mittagessen wurde vorverlegt uns so konnten wir um 12.00 Uhr mit der Übung starten. Für den Gefechtsstand hatten wir am Morgen zwei Standorte eingerichtet, welche wir nacheinander bezogen. Der Geschützzug übte das Beziehen von Feuerstellungen. Die Informationen erhielten sie natürlich von der Feuerleitstelle. Als es bereits dunkel war, räumten wir sämtliches Material zusammen, parkierten die Fahrzeuge und verschoben in die Unterkunft.

Auch am Dienstagmorgen war nochmals eine Übung eingeplant: Schiessen aus der Fahrt. Das heisst, die ganze Batterie kolonniert auf und dreht ihre Runden. Plötzlich kommt ein Feuerbefehl, die Haubitzen halten an, richten sich aus und schiessen direkt von der Strasse. Am Nachmittag putzten wir unseren Schüpa, machten eine Materialkontrolle und trafen alle Vorbereitungen für den Bahntransport. Am Abend mussten wir noch unser gesamtes persönliches Material vor die Unterkunft tragen und kontrollieren. Wahrscheinlich hatten wir es nur deshalb mitgenommen, denn das meiste brauchten wir in Bure gar nicht.

Der Mittwoch begann etwas früher als normal. Nach dem Morgenessen wurde das persönliche Material für den Rücktransport nach Bière bereitgestellt. Anschliessend verluden die Fahrer alle Raupenfahrzeuge auf die Bahnwagen und wir bezogen unsere Abteile im Schlafwagen. Etwa um 8.15 Uhr ging die Reise in Bure los. Nach einigen Runden Arschlöcheln und nach einem Nickerchen waren wir um ca. 13.30 Uhr in Bière. Viel früher als geplant. Als auch die Lastwagen da waren, lud unsere Gruppe das Gepäck aus und verteilte es in den Zimmern. Danach spielten wir bis zum Nachtessen Fussball. Zum Abschluss des Tages führte der Hauptfeldweibel eine Zimmerinspektion durch. Da wir noch viel freie Zeit hatten, zog sich diese auch ziemlich in die Länge und der Hptfw konnte seinen Auftritt richtig geniessen.

Mit Sport (Jogging und Fussball) begann der Donnerstag. Danach wiederholten wir abermals die AGA Themen: Je eine Drillpiste mit Sturmgewehr und ABC, daneben frischten wir das Funken auf. Am Nachmittag kontrollierten wir nochmals sämtliches Material auf den Fahrzeugen. Da wir die Fahrzeuge seit der letzten Kontrolle nicht gebraucht haben, stelle ich mir die Frage, ob dies nur Beschäftigungstherapie ist!? Wir hätten genauso gut in die Badi gehen können! Als ob dies nicht schon genug wäre, mussten wir auch noch unser persönliches Material durchachern. Natürlich fehlte noch das gleiche Material wie am Dienstag. Was will ich mit der „Wollesou“ und den „Gnägis“ bei 35°C?

Zeit zur Verfügung Zugführer stand am Freitagmorgen auf dem Programm. Da aber wegen der Trockenheit ein Schiessverbot erlassen wurde und weil niemand das Schiesskino bedienen konnte, konnten die Ideen unseres Zugfühers nicht ausgeführt werden. Wie begnügten uns also mit Fussball spielen. Doch es wurde ziemlich schnell heiss und wir waren nach zwei Stunden ausgelaugt. Den Rest des Morgens verbrachten wir mit einer Zugsaussprache. Das Mittagessen nahmen wir bei unserer Panzerhalle ein. Danach war für die Feuerleitstelle und die Geschützbesatzungen eine SAPH-Einheit geplant. Doch um 15.00 Uhr musste auch dieses Vorhaben aufgegeben werden, da der Simulator nicht funktionierte. Also spielten wir zum vierten Mal in dieser Woche Fussball. Nach dem Nachtessen gab es noch zwei Theorien beim Batteriekomandanten bevor wir ins heisse Bett liegen konnten.